Die rote Turnhose

Susanne F. erzählt aus ihrem Leben

 

Eine Anekdote von Heiko Halfpaap

 

 

Ich bin ein Kind des Ostens. Die Geschichte, die ich erzählen möchte, hat sich in einer Zeit ereignet, als die DDR noch in voller Blüte stand und an einen Umbruch nicht zu denken war.
Es war ein heißer Sommertag, und schwitzend, von der Arbeit in der Schuhfabrik geschafft, schleppte ich meinen noch eilig im Konsum erledigten Einkauf in den so legendären Konsumbeuteln nach Hause.
Wir waren stolze Besitzer einer Neubauwohnung und hatten es vor kurzem sogar zu einem eigenen Kfz Marke Trabant gebracht.
In der Häuserschlucht zwischen den Neubauten stand die Hitze. Dicht aneinander reihte sich die Schlange der Trabis zu beiden Seiten des Gehsteiges. Kurz vor unserem Blockeingang sah ich unseren weißen Trabi stehen, unter dem die nackten, haarigen Beine von meinem Mann Hermann herausragten.
Trabibesitzer sind für ihre Initiative im Reparieren und Instand­halten ihrer wertvollen Fahrzeuge bekannt, und so verbrachte auch Hermann viel Zeit mit kleinen Reparaturen an unserem 20 Jahre alten Auto.
Hermann war nur zu sehen bis zu der obligatorischen roten Turn­hose, die mangels anderer Erzeugnisse von fast jedem Mann in den heißen Sommermonaten getragen wurde. Der Einheitsschnitt der Hose brachte es mit sich, dass in bestimmten Haltungen das, was eigentlich verdeckte werden sollte, zu den Hosenbeinen frei

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