Hier geht es zurück, natürlich mit dem Zauberhut des Waldgeistes!

Annemone Halfpaap

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© 2002

Bilder

 

Wie Rübezahl kein Berggeist mehr sein wollte!

 

Rübezahl kam aus seinen tiefen Wäldern und beobachtete das Dorf. Es war schon dunkel und die Fenster waren hell erleuchtet, so dass er in die Häuser blicken konnte.
Rübezahl sah und staunte.
Die Menschen  saßen in Badewannen gefüllt mit dampfendem Schaum. Die Frauen bemalten sich ihre Gesichter mit bunten Stiften, frisierten ihre Haare, besprühten sich und zogen sich bunte Kleider an.
Die Männer rasierten und betupften sich, zogen sich weiße Hemden und Anzüge an.
Rübezahl versteckte sich unter der Treppe eines Hauses und wenig später kamen die Bewohner über ihm aus der Haustür. Er roch ihren Duft und hatte auf einmal den Wunsch, einer von ihnen zu sein. Er fühlte sich einsam im Wald mit seinen Tieren, Bäumen und Bergen. Rübezahl dachte sich, wenn ich mich so schön mache wie die Menschen, dann gehöre ich zu ihnen.
Der Beschluss war gefasst. Er schlich sich in das leere Haus und suchte dort nach den Kostbarkeiten, mit denen sich die Menschen schmückten. Er packte Seife, Badeschaum, Parfüm, Lippenstifte, Cremes, einen Anzug und ein weißes Hemd in seinen Beutel, in den er sonst Beeren, Pilze und Kräuter sammelte.
Beim Verlassen des Hauses fiel sein Blick im Flur durch eine offenstehende Tür auf die Toilette. „Ach richtig, die Bürste hatte ich ja fast vergessen! Ich muss ja meine Haare kämmen!“ fiel ihm ein und er nahm die Klobürste aus ihrer Halterung und steckte sie ein.
Dann lief er schnell zurück in seinen Wald und erwartete aufgeregt den nächsten Tag.
Es war ein Pfingstsonntag. Rübezahl ging zu einem Bergsee, rieb sich dick mit Seife ein, schüttete den Badeschaum in den kleinen See und als er nun in ihm planschte, wunderte er sich, dass die Fische vor ihm wegschwammen.
Danach rieb er sich den Körper mit duftender Creme ein, sprühte eine ganze Flasche Parfüm in sein Haar und bestrich seine Lippen dick mit einem rotem Stift.
Er zog sich das weiße Hemd, das von seinem Beerenbeutel schon ein paar rote Flecken hatte und den inzwischen zerknitterten Anzug an. Die Sachen waren ihm viel zu klein und seine Stiefel passten nicht recht dazu. Trotzdem fand Rübezahl, der sich im See wie in einem Spiegel betrachtete, dass er nun wie ein richtiger Mensch aussehe. Bis auf seine Haare, die waren noch völlig zerzaust, dabei hatte er doch extra die große Bürste mitgeschleppt.
Schnell nahm er sie zur Hand und riss sich damit in den Haaren herum.
Das sah eine Amsel von ihrem Baum aus. Sie fing an zu trällern und zu trillern, dass sie fast vom Ast fiel. Man kann dazu auch sagen, sie lachte sich halb tot.
Rübezahl hörte es und fragte: „Was lachst du? Soll ich dir deine Federn auch mal bürsten?“
“Nein, nein!“ schrie die Amsel. „Ich will nicht mit einer Kackebürste gekämmt werden!“ Lachend flog sie davon.
“Was?“ donnerte Rübezahl. Dann ging es ihm auf. Natürlich, die Bürste hatte ja neben dem Klo gestanden... Beschämt packte er die Bürste schnell weg, und besprühte sich die Haare mit dem kleinen Rest Parfüm noch einmal.
Er hatte den ganzen Tag damit zugebracht, sich zu putzen und es wurde bereits wieder dunkel.
Die Menschen im Dorf feierten 3 Tage lang das Pfingstfest und heute Abend wollte Rübezahl mit ihnen feiern.
Er sah die Menschen schon von weitem essen, trinken und tanzen.
Das Tanzen gefiel ihm, er zögerte nicht lange und begann freudig wild zwischen ihnen zu hüpfen und zu springen.
Die Leute blieben stehen und fingen an zu lachen. Rübezahl freute sich. Sie sind freundlich zu mir. Er lachte zurück und tanzte weiter seinen wilden Tanz.
Die Menschen fingen an zu grölen: „Was für ein Pfingstochse!“ schrieen sie und begannen, ihn mit Steinen zu bewerfen.
Nun begriff Rübezahl. Sie lachen mich aus, sie verhöhnen mich und er wurde böse.
“Ich bin der Berggeist Rübezahl!“ brüllte er, „und wer mich verlacht, dem wird es schlecht ergehen!“
Die Menschen gerieten immer mehr außer Rand und Band.
“Du willst der gewaltige Rübezahl sein? Ja, groß bist du, ein riesengroßer Hanswurst!“ Sie lachten und grölten und die Steine, die sie nach ihm warfen, wurden immer größer.
Rübezahl besann sich, er rannte in seinen Wald zurück verspottet von den Dorfbewohnern und er war furchtbar wütend.
Wie hatte er nur zu diesen dummen Menschen gehören wollen, er, der Hüter der Tiere, Wälder und Berge?
Er riss sich die blöden Sachen vom Leib und hielt nach den Tieren Ausschau. Er rief den Uhu und den Fuchs, aber keines der Tiere kam.
Er lief zum Fuchsbau und rief nach seinen Freunden. Die jungen Füchse riefen jedoch ängstlich nach draußen, dass es ganz furchtbar nach Mensch stinken würde.
Ja, nun ging es Rübezahl auf, warum seine Tiere ihn mieden, er stank ja nach den Tinkturen, die er von den Menschen benutzt hatte. Traurig legte er sich unter einen Baum und schlief ein.
Am nächsten Morgen ging er sogleich zum Wasserfall. Er scheuerte sich seine Haut mit Sand und kleinen Kieseln und stellte sich lange unter das brausende Nass.
Er wusch seinen Beerenbeutel und seine Stiefel, dann ließ er sich zufrieden in der Sonne trocknen.
Geweckt wurde er von einem Hirsch. „Ach Rübezahl“, sprach er, „du hast uns vielleicht einen Schrecken eingejagt. Wir dachten, du unser Hüter, willst uns verlassen!“
Rübezahl schämte sich wieder. Er erzählte von seinem Missgeschick und von seiner dummen Idee und vom Benehmen der Dorfbewohner und immer mehr Tiere kamen und lauschten.
Alle waren entsetzt über die Boshaftigkeit der Dorfbewohner und es wurde beschlossen, dass den Menschen am heutigen Abend das Feiern vergehen soll.
Als am Abend das Dorffest von neuem begann, versammelten sich Rübezahl, gekleidet mit seinen schweren Stiefeln und dem Mantel, den er immer trug mit einigen Tieren am Waldrand. Es waren der gewaltige Hirsch, der gefährliche Eber, der Uhu, der Fuchs und die Füchsin.
Mit lautem Geschrei stürzten sie auf die Feiernden zu.
Die Dorfbewohner erkannten den Berggeist und hielten ängstlich mitten beim Feiern inne.
Nun rief Rübezahl mit donnernder Stimme: „Ich habe noch ein paar Gäste mitgebracht!“ Die Tiere schafften ein wildes Durcheinander auf dem Fest. Sie gingen bzw. flogen nur zwischen den Menschen umher, aber das reichte.
In wilder Panik schmissen die Leute Getränke und Speisen um, zerrten an ihren Kleidern, versuchten sich zu verstecken.
Da entdeckte Rübezahl ein Schwein, das am Spieß gebraten wurde.
“Wollt ihr eines meiner Tiere fressen?“ fragte er unheilvoll.
“Nein, nein“, wimmerten die Leute, „es ist ein Schwein aus unseren Ställen.“
“Na gut!“ lenkte Rübezahl ein. „Heute habe ich meine Freunde mitgebracht und die wollen auch ein köstliches Festmahl halten. Sie wollen den Fettesten von euch fressen.“
Die dünnen der Menschen lachten erleichtert. Die Fetten zeigten gegenseitig aufeinander und schuppsten sich. Da rief Rübezahl:
“Mein Freund, der Hirsch, mag kein fettes Fleisch, der will lieber einen Mageren!“
Nun gerieten auch die Dünnen in Not und zeigten aufeinander, wer wohl dem Hirsch am besten schmecken würde. Die Leute schuppsten, schrieen und wimmerten, und Rübezahl dachte bei sich, wie dumm und böse sie doch sind, die Menschen.
Er donnerte los: „Nun gut, ihr Leute, keiner von euch würde uns schmecken, aber wehe euch, ihr stört die Ruhe in meinen Wäldern und wollt eines meiner Tiere fressen, dann werdet ihrs erleben!“
Damit zogen Rübezahl und die Tiere ab.
Und wirklich, es blieb für lange Zeit wieder Ruhe in den Wäldern des Riesengebirges und keiner der Dorfbewohner machte mehr Witze über den mächtigen Rübezahl.

Ende

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