Hier geht es zurück, natürlich mit dem Zauberhut des Waldgeistes!

Annemone Halfpaap

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© 2001

Bilder

 

Rübezahl und das Rotkäppchen

 

Bei den Leuten im Dorf herrschte große Aufregung. Sie freuten sich auf die Fahrt ins Theater in die große Stadt.
Natürlich  erzählten sie von nichts anderem mehr und so erfuhr auch Rübezahl in seinem Wald von dem bevorstehenden Ereignis.
Ins Theater in die große Stadt, das wäre doch mal was, dachte sich Rübezahl .
Einige Tage später  fuhr im Dorf der Theaterbus vor und alle Leute stiegen in Festtagskleidung ein. Rübezahl beobachtete alles von seinem Berg aus. Schnell lief er durch den Wald zur Landstraße und wartete in einer engen Kurve, wo der Bus ganz langsam fahren musste. Als dieser ankam, stellte er sich auf die Straße und hob beide Arme. Der Busfahrer war so erschrocken, als er den Berggeist sah, dass er wie verrückt bremste. Im Bus flogen die Hüte der Leute umher. Sie schrieen vor Schreck. Doch als sie sahen, warum der Bus angehalten hatte, erstarrten sie.
Die Tür ging auf und Rübezahl betrat grinsend den Bus.
“Na ihr Leute“, schmetterte Rübezahl „dann wollen wir uns mal gemeinsam amüsieren!“
Die Dorfbewohner nickten alle wie Marionetten, keiner traute sich, auch nur einen Pieps von sich zu geben. So fuhr der Bus zum Theater. Am Eingang flüsterte ein mutiger Mann einem anderen zu, dass ja Rübezahl gar keine Eintrittkarte hätte und somit auch nicht rein käme.
Rübezahl hatte sehr gute Ohren. Aha, dachte er sich, eine Eintrittskarte, nun, denn.... „Wie sieht denn die Eintrittskarte aus?“ fragte er den mutigen Mann. Dieser wurde immer mutiger und machte sich lauthals über Rübezahl lustig, weil er so einfache Dinge nicht wusste. Er hielt ihm die Eintrittskarte vor die Nase und gab vor seinen Freunden an. Rübezahl nahm sie ihm einfach ab, setzte sich dessen Hut auf den Kopf, der zwar zu klein war, aber sehr vornehm aussah und fragte ganz laut: „Na Spaßvogel, willst du noch weiter lachen?“
Der Mann suchte schnell das Weite und die Dorfbewohner suchten hastig ihre Plätze auf.
Rübezahl setzte sich in die erste Reihe und sah gespannt zur Bühne. Es wurde das Märchen: „ Rotkäppchen und der Wolf “ gespielt.
Alle Zuschauer folgten gespannt dem Geschehen und manch einer hatten schon vergessen, dass Rübezahl auch im Theater saß. Das ging so lange gut, bis der Wolf die Großmutter fraß. Alle Leute hielten vor Schreck den Atem an, auch Rübezahl war erschrocken.
“Du darfst  kein altes krankes Fleisch fressen!“ rief er ganz besorgt dem Wolf zu „davon bekommst du Blähungen.“
Die Leute waren ganz verstört und Rübezahl ärgerte sich über den Wolf, der nicht auf ihn gehört hatte.
Die Zuschauer gruselten sich, als der Wolf Rotkäppchen verspeiste. Nur Rübezahl klatschte laut Beifall und rief: „Das ist schon besser, das zarte Fleisch, was!“
Dann kam der Jäger ins Spiel. Rübezahl rutschte nun ganz unruhig und besorgt auf seinem Sitz hin und her, als der Jäger dem Wolf den Bauch aufschnitt.
Die anderen Zuschauer klatschten Beifall, als Großmutter und Rotkäppchen wohlbehalten erschienen.
Rübezahl begann zu schimpfen: „Was wollen denn die beiden dummen Puten schon wieder hier, mir gefiel es gerade, weil sie endlich weg waren. Schert euch davon“, wetterte Rübezahl weiter, „ sonst fresse ich euch!“
Rotkäppchen und die Großmutter rannten erschrocken von der Bühne. Der Jäger aber spielte seine Rolle ernsthaft weiter. Er begann, Steine in den Wolfsbauch zu legen.
Nun reichte es Rübezahl entgültig. Er rannte auf die Bühne und schrie: „Was tust du da, du Tierquäler? Der arme Wolf hatte Hunger und da musste er fressen, basta!“ Dabei nahm er die Steine aus dem Wolfsbauch und warf damit nach dem Jäger bis der Theatervorhang eilig herunter gelassen wurde.
Allmählich beruhigte sich Rübezahl wieder, aber er ärgerte sich über die Dorfbewohner, die ins Theater fuhren, um sich anzusehen, wie hungrige Tiere gequält werden. Euch werde ich’s zeigen, dachte sich Rübezahl.
Die Dorfbewohner hatten ihren Spaß. Ihnen war es egal, ob der Wolf getötet, oder der Jäger erschlagen wurde. Sie wurden erst wieder ernsthaft und still, als Rübezahl für die Rückfahrt mit in den Bus stieg. Dort fing Rübezahl mit seiner Rede an:
„Ich habe gesehen, wie lustig ihr es findet, wenn Tiere geschlachtet werden“, begann er ernst. „Ich, als euer Berggeist will, dass ihr noch viel zu lachen habt. Deshalb schlachtet jeder von euch morgen eines seiner Tiere. Ihr könnt euch aussuchen, ob ihr mehr Spaß an Geflügelhinrichtungen oder Schweinemorden habt. Die toten Tiere liefert ihr mir übermorgen beim großen Felsen ab, denn ich habe im Gegensatz zu euch keinen Spaß am Schlachten, aber ich habe großen Hunger. Und wehe, einer von euch vergisst den Termin, dann rufe ich die Wölfe aus den Wäldern zusammen und ich setze euch allen rote Käppchen auf!“
Wenn ihr die Dorfbewohner schon kennt, wisst ihr, dass alle pünktlich ein Tier ablieferten und Rübezahl mal wieder eine zeitlang in Saus und Braus lebte.

Ende

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