Jack und immer wieder nur Jack!

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Mein Freund Jack!

Heiko Halfpaap

© 1984/2003

 

1.Buch
Mit Jack im Land der Schnatterschnäbel!

Erstes Kapitel

- Sonntag Nachmittag. Ich liege auf meinem Kinderzimmerteppich und langweile mich. Wie gewöhnlich hat kein Mensch Zeit für mich. Ich bin fünf Jahre alt und mit fünf ist ein Tag ewig lang, wenn man sich so langweilt wie ich gerade.
Ich habe zwar noch einen großen Bruder, doch den interessieren zu meinem Unglück wie die meisten Erwachsenen nur für so völlig unsinnige Sachen wie seine Arbeit und seine Ruhe, wie er es immer nennt.
Wenn er am Abend nach Hause kommt, setzt er sich gleich vor den Fernseher.
Er will nie wissen, was ich den ganzen Tag gemacht habe. Dabei warte ich ja schließlich auf ihn, und dann bekommt man zu hören: „ja, ja, erzähle mir das später!“ Auch wenn es etwas ganz spannendes ist, so richtig mit Indianern und so. Nein, immer nur seine Ruhe. Dabei ist Ruhe schrecklich langweilig.
Man kann es den Erwachsenen sagen so oft man will. Als wäre es eine Art Krankheit oder so etwas. Sie wollen einfach nicht glauben, dass man so viele aufregende Sachen machen kann, anstatt in Ruhe vor dem Fernseher Sport und Politik zu sehen.
Na ja, ich langweile mich einmal wieder. Doch wenn ich zu einem gehe und ihm sage, dass ich noch jemanden brauche, der Drachen ist, dann will er nichts davon wissen. Auch wenn ich schon eine Burg und für ihn eine gruselige Drachenhöhle gebaut habe. Dabei weiß doch jeder, dass man nicht Ritter und Drachen zugleich sein kann.
Wenn ich ihnen dann sage, dass sie auch Ritter sein können, was mir nicht leicht fällt, denn Ritter sein macht am meisten Spaß, dann heißt es nur: „Ach Robert, bau doch was anderes mit deinen schönen bunten Bausteinen!“, und man hat den Dreck.
Aber was irgend jemand im Fernsehen sagt, das ist wichtig. Am schlimmsten ist es, wenn Papa Fußball sieht.
Ich verstehe nicht, warum er immer nur zusieht. Ich würde doch auch mit ihm Fußball spielen. Doch er wurde böse, obwohl ich ihm aufmunternd ein Sofakissen zugeschossen habe.
Na ja, es flog auf den gedeckten Abendbrottisch und hat ihn völlig verwüstet. Aber die im Fernsehen schießen ja schließlich auch manchmal daneben und werden nicht gleich vollgemeckert, oder?
Es ist schon nicht leicht, mit Erwachsenen zusammen zu leben. Man braucht vor allen Dingen viel Geduld.

Zweites Kapitel:

Aber das heißt nicht, dass es niemanden gibt, der mich verstehen würde.
Ich habe einen Vertrauten, dem es ähnlich geht wie mir. Nur dass er keine Eltern und keinen Bruder hat. Er heißt Jack und ist mein Stofftier.
Leider ist Jack sehr geizig. Ich sage euch das nur, weil ich weiß, dass er uns nicht hören kann.
Eigentlich ist er nicht so geizig wie manch anderer Hamster. Jack ist nämlich ein Hamster.
Außerdem ist er eitel. Daran ist sicher sein schöner Schnurrbart schuld. Jeder der Jack sieht, lobt seinen Schnurrbart, ist doch klar, dass er sich jetzt was darauf einbildet.
Doch ich will Jack nicht schlecht machen. Jack ist wirklich mein einzig richtiger Freund.
Und überhaupt, er hat viel mehr gute Seiten. Er ist ein stolzer, mutiger und überaus kluger Hamster, der mich nie im Stich lassen würde.
Von welchem anderen Stofftier kann man das schon sagen?
„Ach ja Jack, es ist zu schade, dass du mit Schaumstoff ausgestopft bist und mir nur mit deinen schlauen schwarzen Äuglein antworten kannst. Weißt du, was schön wäre und was ich mir so sehr wünsche? Wenn jetzt eine Fee käme, dann würde ich sie bitten, dass du dich so groß machen könntest wie ich. Du müsstest sprechen und dich bewegen können. Wir könnten dann zusammen lauter verrückte Sachen machen, ja?
Wie: Ein Flugzeug bauen, und damit in ein Zauberland fliegen. Oder: Indianer spielen. Oder: In der Badewanne U-Boot sein!
„He, halt mal, ich kann Wasser nicht leiden. Und U-Boote mag ich schon gar nicht, die sind ja nur unter Wasser!“ schimpfte eine verärgerte Stimme von meinem Schrank herunter. Ich war so erschrocken, dass ich in Windeseile unter den Teppich kroch. Ich tat so, als wäre ich überhaupt nicht da. Das ist sehr schwierig, wenn einem das Herz so laut schlägt, dass es der Presslufthammer am Markt sein könnte, wo die neue U-Bahn gebaut wird.
Da meldete sich die Stimme schon wieder. Doch jetzt klang sie beruhigend, ja sogar entschuldigend und meine Knie zitterten ein bisschen langsamer.
„He Robert! He Robert, alter Junge, was ist eigentlich los mit dir? Willst du auf einmal deinen Kumpel Jack nicht mehr erkennen? Robert nun komm schon unter dem albernen Teppich raus! Oder...? Oder...?“ Es wurde still.
Ich überlegte, ob da auf dem Schrank tatsächlich mein Freund Jack saß.
Vielleicht war es auch einer dieser heimtückischen Grunzer, die mir im Dunkeln immer Angst machen. An alle Wände werfen sie schreckliche Schatten.

Drittes Kapitel

Nach einer Weile hörte ich ein leises Schluchzen. Sofort vergaß ich alle Zweifel. Dort oben saß zu tiefst gekränkt mein alter Freund Jack, der sich so einsam fühlte, wie man sich als Hamster, der niemand auf der Welt hat, nur fühlen kann.
Schnell warf ich den Teppich von mir und sprang auf die Beine. Doch oh weh, was da auf dem Schrank saß und aussah wie mein Jack, war so groß wie ich.
Aber wie er mich mit seinen großen verweinten Augen ansah, überwand ich meinen Schrecken. Mit bebender Stimme sagte ich: „Hallo!“
Das war ein sehr bedeutsames Hallo und Jack sah mich genauso bedeutsam an, wischte sich die Tränen aus den Augen und erwiderte:
„Guten Tag Robert! Hättest du vielleicht die Liebenswürdigkeit, mir von diesem Schrank zu helfen?“
Ich tat so, als merke ich nicht, wie komisch Jack auf einmal mit mir sprach. Ich wusste ja, dass er nur beleidigt war.
„Dem Hamster stets zu Diensten!“, sagte ich grinsend und ging meinen Schreibtischstuhl holen.
Jack sprang auf die Armlehnen und ließ sich in das Polster plumpsen. Jetzt saß er in voller Größe vor mir.
Er zog einen Schmollmund.  Wie immer hatte er seine blaukarierte Latzhose und eine genauso karierte Mütze an. Über seinem verdrießlichen Gesicht baumelte lustig die Bommel von der Mütze, das sah total komisch aus und ich musste hell auflachen.
Jack riss seine kleinen Äuglein vor Ärger ganz weit auf. Aber zu spät, ich konnte mich vor Lachen nicht mehr halten und warf mich auf die Erde.
Mit vor Wut aufgeblasenen Backen saß Jack auf dem Stuhl und sah aus, wie ein Pfannkuchen mit Ohren.
Nun ging es nicht mehr anders, ob er wollte oder nicht, mit einem plötzlichen: „Pfpfpfpfp!“ entlud sich die Luft aus seinen Backen. Laut lachend fiel er gleichfalls zu Boden.
„Wie gut, dass Hamster in karierten Latzhosen so albern sind“, rief ich.
Endlich konnten wir aufhören zu lachen.
„Wie wär's mit einer Pfeife?“, fragte mich Jack vergnügt.
„Ja gut!“, denn Sachen, die man nicht darf und deshalb heimlich tut, sind immer gut.
Jack griff in eine seiner großen Hamstertaschen in seiner Latzhose und brachte eine Meerschaumpfeife zum Vorschein. Er steckte die Nase in die Höhe, als könne er einen wohligen Geruch einatmen, wobei er in der Hosentasche kramte.
Dann hielt er eine große Tabaksdose mit der Aufschrift „Seife“ in der Hand.
Wir setzten uns im Schneidersitz auf den Tisch und machten ernste Gesichter.
Jack stopfte den Tabak in die Pfeife und ich blickte in die Weite der Prärie, die sich vor meinem Kinderbett erstreckte.
Er nahm aus der Brusttasche seiner Hose ein Streichholz in der Größe eines Esslöffels, sagte: „Sooooo!“, und entzündete es an seinem Schnürstiefel, wie es die Westernhelden immer machen.
Dicker blauer Rauch entstieg der Pfeife, von der wir abwechselnd rauchten.
Nach einer Weile war uns beiden schlecht. Das ließ sich natürlich keiner anmerken, und wir waren heilfroh, als die Pfeife ausging.
„Ja, das ist wirklich ein ausgezeichneter Tabak“, meinte ich, obwohl es die erste Pfeife in meinem Leben war.
„Ja, das ist Weissermannrauchtbüffeldreck“, sagte Jack und packte die Pfeife wieder in die Tasche. „Das habe ich von einem Freund, er ist Medizinmann bei den Indianern.“
„Was machen wir eigentlich, wenn jetzt meine Eltern hereinkommen und riechen, dass ich geraucht habe? Und wenn sie mich fragen, wo ich denn die Sachen dafür her habe, was soll ich denn dann machen?“
„Och, das ist doch kein Problem“, fand Jack. „Du sagst einfach, es wäre ein feuerspeiender Drachen hier gewesen und der hätte aus den Nasenlöchern gequalmt.“
„Aber das glauben sie mir doch nie, du müsstest doch eigentlich meine Eltern kennen!“
„Ja ja, ich kenne sie, Robert, ich kenne sie zur Genüge. Ich weiß noch genau, wie deine Mutter einmal fand, dass ich zu dreckig wäre und mich in die Waschmaschine gesteckt hat.
Bäää, die Seife und das Wasser und dann wurde ich immer im Kreis herumgeschleudert, dass der Schaumstoff von unten nach oben geworfen wurde in meinem armen Hamsterbauch.“
„Ja, ich erinnere mich, Jack. Du musstest drei Tage trocknen und ich musste die ganze Zeit ohne dich einschlafen. Aber nun sag schon, du bist doch so klug oder nicht?“
„Ja, ich bin klug. Ich bin sogar der klügste Hamster in karierten Latzhosen, den ich kenne.“
„Also, was mache ich?“
„Das ist ganz einfach Robert, du sagst die Wahrheit. Dass du mit einem alten Kumpel, der ein Hamster ist und reden kann, eine Friedenspfeife geraucht hast.“
„Meinst du?“
„Aber klar, denn erstens kommen Lügen für mich nicht in Frage. Zweitens musst du wissen, dass es bei Erwachsenen immer anders ist, als man denkt.
Wenn du die Wahrheit sagst, wird dir so gut wie nie einer glauben.“
„Klickcklack!“, die Klinke wurde gedrückt und oh weh...meine Mutter kam. Ich rief noch schnell: „Jack versteck dich!“, aber schon stand Mutter mit böser Miene im Zimmer und fragte: „Was ist denn hier passiert?“
„Oh, Mama, weißt du, äh, na ja, also das ist Jack. Der kann jetzt reden, äh und sieht auch ein bisschen größer aus. Aber bitte ich darf ihn doch trotzdem behalten. Er ist auch bestimmt stubenrein!“
„Robert, jetzt hör mir mal zu! Wer das dort ist, weiß ich genau. Immerhin hab ich dir das Stofftier gekauft. Aber Stofftiere sind immer stubenrein und sprechen nie. Größer geworden ist er nicht, auch wenn du das gerne möchtest, Robert!“
Ganz vorsichtig riskierte ich einen Blick über die Schulter, da saß tatsächlich Jack als ausgestopfter Stoffhamster.
Wie hat er das nur wieder gemacht, dachte ich und sah ganz entgeistert meine Mutti an.
„Sag mal, wie riecht es hier denn überhaupt? Als hätte man versucht einen Kuhfladen anzuzünden. Hast du gekokelt, Robert?“, und ihre Miene wurde noch düsterer.
Ich wollte gerade was von einem feuerspeienden Drachen erzählen, als ich mich noch rechtzeitig an die Worte Jacks erinnerte, und sagte:
„Ach ja, ich habe mit meinem alten Kumpel, dem Hamster, eine Friedenspfeife gepafft!“, und war bis zum Zerreißen gespannt, was nun passieren würde.
Doch es passierte nichts. Mutter sagte: „Na dann spiele mal schön weiter!“, und ging wieder raus.
„Uff!“, sagte ich. „Uff!“, machte es hinter mir.
„He Robert, alter Junge, hab ich nicht recht gehabt?“
Da ich etwas ungläubig dreinblickte, hieb er mir lachend auf die Schulter, dass ich beinahe einen Purzelbaum gemacht hätte und fragte:
„Du dachtest wohl, du hättest nur von mir geträumt, was? Aber von so etwas wie mir träumt man nicht so einfach!“
„Hi, hi“, entfuhr es mir, worauf ich gleich einen strafenden Blick empfing. Doch zum Glück war Jack nicht schon wieder eingeschnappt.

Viertes Kapitel

 „Erkläre mir doch bitte, Jack“, begann ich. „Wie kommt es eigentlich, dass du dich so toll verwandelt hast?“
„Wie verwandelt?“, Jack sah an sich herab und zog an seinen Hosenbeinen, um auch überall genau zu sehen, wo er sich verwandelt hatte.“
“Na, Jack, du kannst reden, du kannst dich bewegen und groß bist du auch noch,“ dabei stupste ich Jack meinen Finger in seinen weichen Bauch.
„Du bist auch groß und kannst auch reden und verwandelst dich auch jeden Tag  ein bisschen, bis du so ein hässlicher Erwachsener bist, wie dein Vater oder dein Bruder.“
“Was soll denn das? Vater ist nicht hässlich,“ rief ich empört und ich bin schließlich nicht aus Plüschfell und Schaumstoff!“
“Nein, du bist aus Klapperknochen, schwabbeligem Fleisch und einem Haufen roter Soße, jetzt sag nur, du verstehst, wieso du lebendig bist!“
“Ja klar, weil mein Herz das Blut...und weil ich esse und...also gut ich weiß auch nicht, wie das alles so genau funktioniert aber ich habe Eltern und ich bin aus dem Bauch von meiner Mutter gekommen.“
Jack sah mich eine Weile an, dann warf er sich auf den Rücken und schrie los vor Lachen. „Ich bin aus dem Bauch meiner Mutter gekommen, das ist lustig Robert! Hat sie dich vorher gefressen?“
“Jack, du bist total doof!“, schimpfte ich. „Du hast keine Ahnung, wo Kinder herkommen!“
„Und du hast keine Ahnung, wo Stofftiere herkommen! Das ist nämlich so: Wenn eine Plüschtiermama und ein Plüschtierpapa sich ganz doll lieb haben...“
“Das ist ja wie bei den Menschen, und ich dachte, Plüschtiere werden in einer Fabrik gemacht!“
“Ha, reingefallen! Plüschtiermama, so ein Quatsch Robert. Ich weiß auch nicht, warum ich lebendig bin.“ Jack kicherte.
Also gut, es war wie es war. Ich fragte lieber nichts mehr. Jack war ganz schön frech, aber er war lebendig und er ist mein Freund. „Vergessen wir das mit Mutters Bauch und der Plüschtiermama, lass uns was schönes machen, ok?“
Jack griff in seine linke Hosentasche und brachte zu meiner Verwunderung eine sichtlich kaputte Uhr zum Vorschein.
Nach einem Blick auf die Uhr, brummte er ein: „Nuuuun!“, und kurz darauf: „Es ist Zeit etwas zu unternehmen!“
„Woher weißt du, dass es jetzt für etwas Zeit ist? Deine Uhr geht doch gar nicht.“
„Hi, hi, aber es ist doch immer zu irgend etwas Zeit, meinst du nicht auch?“
Ich sagte lieber nichts mehr. Ich hatte immer noch nicht begriffen, wozu nun diese kaputte Uhr gut sein sollte..
Wir überlegten zusammen.
„Jetzt hab ich's!“, rief Jack plötzlich. „Es ist Zeit zum Fliegen!“

Fünftes Kapitel

Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Ich dachte eher an Zeit zum Eisessen oder Zeit zum Schreiend-durch-die-Wohnung-rennen.
Aber das war eine fabelhafte Idee.
„Weißt du, wie man fliegt?“, fragte ich Jack.
Jack verdrehte beleidigt die Augen. „Hast du denn noch nie einen Hamster fliegen sehen?“
„Nein, hab ich noch nicht“, gab ich kleinlaut zu. „Tun Hamster denn so etwas oft?“, fragte ich vorsichtig weiter. Doch das wusste Jack allem Anschein nach auch nicht recht und lenkte schnell ab.
„Was man zum Fliegen braucht, ist ein Flugapparat oder ein paar Flügel. Wir haben keine Flügel und werden uns einen Flugapparat bauen.“
„Oh je, dazu braucht man bestimmt viele Sachen, die wir kaufen müssen und ich habe doch kein Geld.“
„Nein, nein Robert, wir werden eben das nehmen, was wir in deinem Zimmer finden. Ich habe doch viele nützliche Dinge in meinen Hamstertaschen, damit werden wir schon etwas zusammenbauen!“, und Jack grinste geheimnisvoll.
„Oh, das ist aber aufregend Jack, fangen wir gleich damit an ?“
„Natürlich!“, Jack legte Falten auf seine Stirn, und begann vor sich hin zu brubbeln:
„Wir werden durch die Luft fliegen. In der Luft ist es windig. Also braucht man zum Fliegen etwas warmes, weiches, damit man nicht friert. Hast du etwas warmes, weiches?“
„Äh ja, mein Bett ist warm und weich“, sagte ich grübelnd.
Ob mein Bett wohl wusste, wie man fliegt, überlegte ich. Doch Jack war begeistert.
„Na prima!“, schrie er. „Als nächstes brauche ich Strick.“
Ich knotete von meinem Hampelmann den Strick ab. Jack wurde immer vergnügter.
Er nahm den Strick und band seine Mütze am Kopf fest. „Damit sie nicht weggeblasen wird!
Wir brauchen aber noch mehr Strick. Hol am besten welchen aus der Küche! Ich werde sehen, dass ich den Rasenmäher finde. Der ist sicher im Schuppen!“
Und schon sprang Jack mit einem Satz aus dem Fenster in den Garten.
Schnell lief ich in die Küche. Zum Glück saßen alle im Wohnzimmer. Ich kam stolz mit einer Rolle Strick zurück.
„Aber Jack, der Rasenmäher gehört doch meinem Vater und wenn der nun den Rasen mähen will?“
„Ach was, der Rasen ist doch gerade erst geschnitten und wir borgen ihn uns ja nicht lange. Bis der Rasen nachgewachsen ist, sind wir längst wieder da.
Such doch bitte schon einmal alle Bezüge für deine Bettdecke heraus.“
„Meinst du, wir müssen unterwegs so oft die Bettbezug wechseln? Ist es denn so schmutzig in der Luft?“
„Quatsch! Damit fliegen wir doch. Na du wirst schon sehen.“
Ich gehorchte brav und holte alle Bettbezüge aus dem Schrank. Es waren vier.
„Knote an die vier Bettzipfel einen Strick!“, raunte mir Jack zu. Er war damit beschäftigt mein Bücherregal auszuräumen. Ich wollte gerade fragen, ob er unterwegs lesen wolle, als ich sah, dass es nicht die Bücher, sondern die Regalbretter waren, die er brauchte.
Ohne lange zu fackeln, riss er sie aus der Wand, dass es staubte.
Ich drehte mich nach meinem Metallgitterbett um. Da war der Rasenmäher schon an den Eisenstäben des Kopfendes fest gebunden. Die Messer, die sonst den Rasen mähen, ragten in das Zimmer.
Jetzt sah ich gerade noch, wie Jack mit seinen langen Hamsterzähnen die letzten Bisse an dem Regalbrett ausführte. Schon war ein prächtiger Propeller fertig, den er sogleich an die Rasenmähermesser knotete.
“Hol mir euren Besen und den Schrubber!“, befahl Jack. Ich sauste los.
Er machte den Besen an dem Schrubber fest, spannte zwischen beiden eine Tischdecke und ein Steuerruder entstand. Das wurde an das Fußende des Bettes angebracht.
Kaum hatte er das Ruder auf seine Funktionstauglichkeit überprüft, schon sprang er an die Decke und riss meine Kinderzimmerlampe mitsamt der elektrischen Leitung ab.
Er rollte sorgfältig das Kabel zusammen und band das freie Ende an das Bett fest.
„Jetzt haben wir auch einen Anker!“, verkündete er stolz und strich seinen Schnurrbart glatt.
„Das war der letzte Strick.“ Ich sah erleichtert auf. Wir knoteten die Bezüge an die Bettpfosten.
Jack trat ein paar Schritte zurück und machte ein zufriedenes Gesicht.
„Es kann gleich losgehen, aber vorher solltest du noch eine Nachricht an deine Eltern schreiben. Sie machen sich doch sonst Sorgen, findest du nicht?“
„Ja, aber ich kann doch noch nicht schreiben!“
„Ach ja richtig! Aber weißt du was, dann werde ich eben für dich den Brief schreiben, hm?“
„Ja gut!“
Jack zog eine riesige Feder und ein Glas Tinte aus seiner Tasche.
„Soll ich es an die Wand schreiben? Da kann es nicht so leicht verloren gehen?“
Aber Jack wartete nicht auf die Antwort, sondern schrieb schon mit großen Buchstaben:
„Bin weggeflogen! Komme bald wieder! Macht euch keine Sorgen! Robert!
Jack war mit seiner Arbeit jetzt restlos zufrieden.
Wie sah nur mein Zimmer aus? Doch ich ließ mir nichts anmerken. Jack hielt die Bettbezüge auf, holte aus seiner Hosentasche ein großes Gasfeuerzeug und begann das entweichende Gas in die Bettbezüge zu füllen.
Der Stoff blähte sich allmählich auf, wurde immer dicker und straffer und begann zur Zimmerdecke aufzusteigen.
Nach und nach füllte sich ein Bezug nach dem anderen, und schon begann das Bett zu schweben.
„Setz dich darauf, sonst fliegt es uns davon!“, kam Jacks Stimme hinter einem  gefüllten Bezug hervor.
Doch schon bald musste auch Jack mit aufs Bett. Trotzdem hoben wir ab.
„Wir hätten unseren Flugapparat lieber anbinden sollen Jack!“
„Ja, ja, jetzt hilft uns dein guter Rat auch nicht mehr!“

Sechstes Kapitel

Jack riss an dem Anlasser des Rasenmähers.
„He, he Jack, was tust du? Du kannst doch unmöglich den Rasenmäher in meinem Kinderzimmer anmachen!“
Oh doch, er konnte! Schon war ein ohrenbetäubendes Knattern zu hören und aus dem Auspuff stieg dicker schwarzer Qualm.
„Das ist kein Rasenmäher mehr, das ist ein Flugzeugmotor!“, konnte ich Jack mit Mühe verstehen. Das Bett begann an der Zimmerdecke entlang zu gleiten.
„Oder hast du schon einmal ein Flugzeug mit Rasenmäherantrieb gesehen?“
Nach der dritten Runde im Kreis riss Jack die Maschine steil nach unten. Der Teppich raste für eine kurzen Moment auf uns zu. Zitternd klammerte ich mich an das Bett. Jetzt wurde ich mit einem mächtigen Schwung nach hinten geschleudert und gleichzeitig zur Seite. Nach dieser engen Kurve müssten wir es schaffen und und... Ja! Jetzt hatte es geklappt. Der Bogen war eng genug, und Jack drückte das Kopfende herunter.
Endlich hatten wir das offene Fenster direkt vor dem Propeller. Erleichtert atmete ich auf und wir waren im Garten. Eine schwungvolle Kurve über das Rosenbeet und schon verschwand alles aus meinem Sichtfeld: der Rasen, die Bäume im Nachbargarten, der Schuppen von Herrn Maier, sogar der Kirschbaum, auf dem ich immer klettere.
Vor uns, hinter uns, über uns nur herrliches phantastisches Himmelblau und wir flogen mitten hinein.
„Sieh einmal nach unten Robert, du wirst überrascht sein, wie klein Erwachsene sind, wenn man sie aus der Luft sieht!“
Auf Knien schob ich mich langsam an den Rand. Ganz vorsichtig beugte ich mich über die Bettkante.
„Oh weh! Ist das hoch Jack. Schnell flieg wieder tiefer, mir wird ja schlecht!“
„Ach, das ist doch noch gar nicht hoch, Robert. Hab dich doch nicht so! Düsenjäger fliegen viel höher.“
„Ja, aber die Piloten sitzen auch nicht in einem offenen Bett, sondern in einer Kabine. Außerdem sind sie nicht fünf Jahre und haben keinen Hamster, der sie durch die Luft steuert.“
„Na gut, aber nachher, wenn du dich an das Fliegen gewöhnt hast, steigen wir wieder höher hinauf, ja?“
„Ja, ja, nun flieg schon endlich tiefer, ich kann nicht mehr hinsehen.
He nicht, was machst du? Bist du durchgeballert?“
„Wieso, du wolltest doch unbedingt tiefer fliegen?“
„Aber doch nicht so. Siehst du nicht, wie die Erde auf uns zusaust? Wir fallen ja geradewegs hinab. Oh Jack, hör sofort damit auf! Flieg wieder gerade! Es reicht jetzt! Wir sind tief genug, sonst krachen wir noch auf das Kirchendach.“
„Gleich, ich habe Lust auf einen schönen Schlenker!“
„Jack, lass den Quatsch, mach doch keinen Blödsinn!“
Doch ich hörte nur noch den Wind um meine Ohren pfeifen. Jack stürzte laut schreiend mit dem Bett und mir direkt auf den Kirchplatz zu, auf dem Herr Schnorr, der Pfarrer und Frau Kohlweiß standen.
Im letzten Moment riss er den Propeller wieder steil nach oben und ich machte einen Purzelbaum in Jacks weiche Pfoten.
„Puh, ein Glück Jack! Ich dachte schon, dieser entsetzliche Schwung würde mich aus dem Bett schleudern.“
„Aber Robert, du zitterst ja am ganzen Körper. Ist dir kalt?“
„Oh Jack, ich dachte ich müsste sterben. Solch ein Sturzflug und die Kirchenmauer und ach... Ich dachte wir fallen direkt darauf. Du fragst mich, ob ich friere? Du hast wohl nie Angst, was?“
„Aber Robert, doch nicht beim Fliegen, das macht viel zu viel Spaß.
Ich habe Angst vor so schrecklichen Sachen wie der Waschmaschine deiner Mutter oder der Badewanne mit Seifenwasser. Hast du denn nicht gesehen, wie verdattert der Schnorr  uns angesehen hat? Der dachte bestimmt, wir wären Engel.“
„Nun hör schon auf zu lachen Jack, dich hält niemand für einen Engel. Außerdem habe ich gar nichts gesehen, ich hatte nur schreckliche Angst.“
„Robert, das liegt nur daran, dass du nicht selber fliegst. Komm, setz dich nach hinten ans Steuer und ich gehe nach vorn. Du wirst schon sehen, wenn du selber lenkst, ist das was ganz anderes. Da wirst du auch keine Angst mehr haben.“
Der Hamster grinste so vergnügt, dass man ihm einfach nichts abschlagen konnte.
„Also gut Jack, ich werde fliegen. Aber ich weiß doch gar nicht, wie das geht und äh und äh ich habe Angst“, fügte ich noch leise hinzu.
„Papperlapapp!“, rief Jack und eine dicke Falte legte sich unter seinen karierten Mützenschirm. „Fliegen ist wie Roller fahren, nur durch die Luft und viel schöner. Pass auf!“, rief er und sprang...
„Jack!“, rief ich. Doch es war zu spät. Jack war einfach aus dem Bett gesprungen.
Da hörte ich die Stimme weiter sagen: „Geh nach hinten, ich habe dir schon Platz gemacht, damit du dich nicht wieder fürchtest.“
Ich nahm vorsichtig die Hände von den Augen und atmete erleichtert auf. Ich sah die buschigen Tatzen mit den kräftigen Krallen sich an dem Bettrand festhalten.
„Na was ist nun, Robert?“
„Hast du mir eine Schrecken eingejagt, Jack. Ich dachte, du wärst einfach runtergesprungen!“
„So ein Unsinn! Ich werde doch nicht vor dem Abendbrot aussteigen. Aber nun geh schon endlich nach hinten ans Steuer, sonst stürzen wir noch ab.“

Siebentes Kapitel

Ich krabbelte schnell an das Steuer und nahm es entschlossen in beide Hände. Stolz sah ich zu meinem Freund, von dem auch schon die Nasenspitze an der Bettkante auftauchte.
Mit einem Schwung saß er wieder im Bett und rückte seine Mütze zurecht.
„Na wie ist es?“, fragte er forschend und blinzelte mich durch die halb zugekniffenen Äuglein an.
„Fantastisch!“, antwortete ich strahlend.
„Also!“, sagte Jack streng. „Wenn du das Steuer nach rechts drehst, fliegen wir nach links und wenn du es nach links schiebst, fliegen wir nach rechts. Verstanden?“
„Nein!“
Jack stutzte und sah mich grübelnd an, wobei er sich nervös an den Barthaaren zupfte.
„Warum nicht?“, fragte er vorsichtig.
„Ich weiß nicht, wo links und rechts ist.“
„Na ,na, na, das ist doch in der Fliegerei völlig egal!“
„Wirklich Jack?“
„Aber sicher. Wenn du das Ruder bewegst, fliegen wir immer in die entgegengesetzte Richtung, in die du es drückst. Das ist alles!“
Das verstand ich. Schon lag das Flugbett in einer scharfen Kurve, und gleich danach kam noch eine in die andere Richtung und noch eine und noch....
„Es ist wirklich herrlich und ich habe gar keine Angst mehr. Aber wie fliegt man nach oben und nach unten?“
„Rutsch einmal ein bisschen nach hinten.“
Ich rutschte. Die Wolken kamen auf uns zu. „Ach, ich hab schon verstanden Jack, wenn ich mich nach hinten lehne, fliegen wir hoch und wenn ich mich nach vorne...“
Ich schob mich nach vorne, das Bett neigte sich und wir flogen wieder gerade aus.
„Juhu!“, jubelte ich. „Ich kann fliegen!“
In wilden Schleifen und Bögen raste ich jetzt kreuz und quer durch die Luft. Jack versuchte sich in sausender Fahrt seine Pfeife zu stopfen, doch es war aussichtslos.
Einmal ging es steil zur Seite, einmal nach oben, einmal nach unten und einmal alles zusammen.
Endlich hatte ich mich ausgetobt und wir flogen wieder gerade aus. Jack hatte wahrscheinlich die Lust am Rauchen verloren oder aber der Fahrtwind hatte allen Tabak weggeblasen. Jedenfalls steckte er die Pfeife wieder ein und sah nachdenklich auf seine Taschenuhr.
„Es ist Zeit zum Abendbrot essen, meinst du nicht auch?“ fragte er mich und spielte mit dem Finger an dem großen Zeiger.
„Ja, ich hab schon einen riesigen Hunger, aber haben wir denn was zu Essen mitgenommen?“
„Nein, wir haben nichts mit“, und dabei steckte er lachend seine Uhr in die Tasche. „Wer so ein tolles Bett hat, der braucht auch nichts zu Essen mitzunehmen.“
„Wie meinst du denn das schon wieder, Jack?“
„Das wirst du schon sehen. Das kann ich dir jetzt unmöglich alles erklären. Dazu bin ich viel zu hungrig.“
Mit diesen Worten nahm er eine blaue Büchse aus der Hosentasche. Mit einer geheimnisvollen Miene und sehr eigenartig kreisenden Bewegungen der Hände murmelte er unverständliche Sachen.
Seine Barthaare blitzten golden und ich bekam eine Gänsehaut.
„Jack, kannst du etwa zaubern?“, flüsterte ich.
Jack blickte auf. „Natürlich kann ich zaubern!“, antwortete er. „Was meinst du, warum wir mit einem Bett durch die Luft fliegen können?“
Ich ärgerte mich, dass ich so etwas Dummes gefragt hatte, fragte aber trotzdem weiter.
„Dann können wir ja ins Schlaraffenland fliegen und uns mit Pudding voll essen und mit Schokoladeneis, ja?“
„Aber Robert, das ist doch nur ein dummes Märchen. Du musst dir schon ein neues Land ausdenken, das außer dir niemand kennt und in dem alles so ist, wie du es möchtest. Sonst kannst du nicht in ein Zauberland kommen. Das ist doch klar! Ein Zauberland ist so groß, wie deine Phantasie. Jeder Mensch kann nur in sein eigenes Zauberland gelangen. Viele träumen lieber die Träume aus dem Fernseher. Dass sie diese Träume nicht erleben können, versteht sich. Das wäre so, als ob du ein Foto von dir machen wolltest und ein Freund für dich zum Fotografen geht. Auf dem Foto wäre immer dein Freund, auch wenn er eine Nase und zwei Augen hat wie du, es ist halt immer seine Nase und seine Augen, die auf der Fotografie sind.“
„Ja, ich verstehe Jack.“
Das ist übrigens die Puderdose meiner Großmutter“, und Jack öffnete den Deckel, auf dem in gelber Emaile ein Gänseblümchen leuchtete. Doch erst der Inhalt! Es funkelte und glitzerte wie Diamantenstaub.
„Oh Jack, das sieht ja fantastisch aus!“
„Nein, Robert. Das ist fantastisch. Das ist der beste Schönheitspuder der Welt.“ Er hielt ihn mir ein bisschen entgegen, dass ich ganz geblendet war.
„Der Staub in der Schachtel Jack, dein Puder, er strahlt in allen Regenbogenfarben!“
Als ich aufsah, war der dicke Hamsterkopf mit aufgeplusterten Backen vor mir und blies in die Dose.

Achtes Kapitel

 „Jack, Jack was machst du denn?“
Um mich flimmerte und glimmerte es nur noch, alles war voller strahlend bunter Staubkörner und in meiner Nase juckte es. Ein gewaltiges „Hatschi“, und ich fühlte mich froh und unbeschwert.
Aufgeregt begann ich mich umzusehen.
Ich hätte beinahe vergessen, dass ich der Steuermann des Flugbettes war und darauf achten musste, wo wir hinflogen. Ihr werdet jetzt sicher sagen, dass es in der Luft nicht so sehr darauf ankäme, wo man hinsegelt. Aber was ihr noch nicht wissen könnt, wir schwebten nicht mehr durch den Himmel, sondern durch einen Dschungel.
Ich musste verdammt aufpassen um den riesigen grünen Säulen auszuweichen.
„He Jack, warum hast du dir ein Schlapperlätzchen umgebunden und was willst du mit dem Löffel?“
„Na das, was man mit einem Löffel eben so macht. Man kann sich die Pfeife damit stopfen, alte Motoren reparieren, den Garten umgraben oder in Holzdielen Löcher zum Murmeln bohren.“
„Du bist wieder ungemein komisch Jack!“
„Nun sei mal nicht gleich beleidigt und zieh nicht so ein Gesicht. Du wirst gleich sehen, wie wichtig es ist, zur richtigen Zeit ein Schlapperlätzchen um zu haben. So ist man nicht wehrlos den gelb-schwarz-gestreiften Puddingspritzern ausgesetzt.
Robert, was machst du, so halt doch das Steuer fest und pass auf! Wir fliegen genau auf einen Grashalm zu!“
„Hast du Puddingspritzer gesagt? He, hast du eben Puddingspritzer gesagt?“
„Ja, ja, natürlich, oh jetzt hast du mir einen Schreck eingejagt Robert. Das war aber haarscharf. Ich dachte schon, dieser Grashalm würde das Ende unserer Reise sein. Du hast unser Flugbett wirklich im allerletzten Moment herumgerissen. Ein gutes Essen zu versäumen, ist doch das Schlimmste, was es für einen Hamster gibt!“
Was erzählst du eigentlich die ganze Zeit von Grashalmen Jack? Ich kann hier noch nicht einmal Blätter an diesen riesigen grünen Baumstämmen sehen. Ich hab noch nie so große Bäume gesehen. Die Stämme scheinen ja direkt in die Wolken zu ragen und sind so dick wie ein Haus. Sag mal Jack, weißt du etwa, wie man diesen eigenartigen Wald nennt und wie diese Bäume hier heißen? Ich habe schon sehr viele Bäume in einem Buch gesehen, das meinem Bruder gehört, aber nicht solche.“
Jack lachte schallend.
„Der Wald hier heißt Wiese und die Bäume heißen Grashalme, Robert.“
„Ach, die Bäume heißen Grashalme?“ Ich machte eine besonders schwungvolle Kurve um einen dieser Grashalmbäume.
„Und ich dachte vorhin, du meinst das richtige Gras, das auch bei uns im Garten wächst und nicht diese Bäume hier.
Da müssen wir aber weit von zu Hause weg sein, was Jack?“
„Wir sind bei dir zu Hause, in eurem Garten Robert und die Bäume, die du hier siehst, heißen nicht Grashalme, es sind welche. Verstehst du denn nicht?“
Ich verstand wirklich nicht gleich und war so verdutzt, als würde mir mein Hausschuh guten Morgen sagen.
Endlich rief ich ganz benommen: „Da ist unsere Wiese aber gewachsen! Oh Jack, das ist ja unsere Schuld. Wir haben den Rasenmäher doch als Motor mitgenommen. Jetzt kann Vater nicht den Rasen schneiden und wir haben diesen Dschungel zu Hause. Was hab ich denn da nur wieder angestellt? Ich hätte nie gedacht, dass Rasenschneiden so ungemein wichtig ist. Im Gegenteil, ich fand es immer doof, wenn alle Gänseblümchen abgeschnitten wurden.
Lach nicht Jack, meine Eltern irren irgendwo in ihrer Wiese herum, und suchen den Rasenmäher!“
„Aber Robert, so beruhige dich doch, du bist ja ganz rot im Gesicht.
Der Rasen ist doch nicht größer geworden und deine Eltern irren auch bestimmt nicht darin herum. Sie laufen höchstens darüber hinweg. Wir sind nur ganz, ganz winzig klein durch den Puder meiner Großmutter.“
„Pff, uff, ach so ist das Jack. Das hättest du mir auch gleich sagen können.“
„Na ja, ich habe es vergessen.“
„Jack sieh nur, wie riesig so ein Grashalm jetzt ist!“
„Wir sind noch kleiner geworden, aber winziger werden wir jetzt nicht mehr Robert, sonst würden wir ja nicht mehr da sein und verschwinden.“
„Ja, das glaub ich auch, so ein Grashalm ist ja schon so breit, wie unser Marktplatz und die Abstände zwischen den Grashalmen sind so weit, wie von einem Dorf zum anderen. Es fliegt sich hier richtig prima. Ich hätte gar nicht gedacht, dass es in unserem Rasen so viel Platz gibt.“
„So, wir sind gleich da. Wir wollen lieber tiefer fliegen. Von hier oben können wir doch nichts sehen.“
Jack begann aufgeregt nach unten zu spähen und rief in kurzen Abständen: „Tiefer, noch tiefer!“ Ich ließ uns schnell in das Unbekannte hinabfliegen.
Wir näherten uns schnell einer dichten Wolkendecke, unter der sich der Boden vor unseren Blicken verbarg. Die Wolken waren zu allem Unglück rosa, was Wolken besonders undurchsichtig macht.
Oh, jetzt sind wir schon mitten drin! Der blaue Himmel verschwand hinter einem rosa Schleier.
„Jack, siehst du schon was, außer diesen rosa Wolken hier überall um uns herum?“
„Nein, noch nicht, aber wir müssten die Wolkendecke bald durchbrochen haben. Da, jetzt fängt sie an sich aufzulösen! Geh sachte noch etwas tiefer.“

Neuntes Kapitel

„Jack, prima!“
Zwischen den rosa Nebelschwaden bekam man einen kurzen Einblick in eine herrliche Landschaft mit blauen Wiesen und gelben Bächen. Doch da versank sie schon wieder im Rosa.
Mit einer steilen Kurve stieß ich in die Tiefe. Schon lagen die Wolken über uns.
Durch einen klaren grünen Himmel glitten wir staunend dahin.
„Sieh nur, die Wolken sehen von unten silbern aus und dort am Horizont die dunkelroten Berge, sind sie nicht das Schönste, Jack?“
„Nein, nein das strahlende Gelb der Bäche und das frische kräftige Dunkelblau der Wiesen sind das Allerschönste.“
„Noch besser gefallen mir dort drüben die zarten durchsichtigen Bäume. Sie ähneln einem Schneebesen, den man mit dem Griff eingepflanzt hat.“
„Nein Robert, dort drüben, das Teppichgras, hast du das denn nicht gesehen? Sieh nur, in was für schönen Mustern es gewachsen ist.
Aber ehe wir uns noch länger streiten, was wohl das hübscheste ist, sollten wir lieber dort drüben zu der Baumgruppe fliegen.
Nein, nein nicht die, Robert! Dort drüben genau in der anderen Richtung.“
„Ach, die auf dem Hügel dort Jack? Die mit den glatten Stämmen und den großen fleischigen Blättern, die ohne Äste direkt am Stamm wachsen?“
„Ja Robert, flieg schnell hin. Aber kriech lieber unter die Bettdecke, sonst könnte es gefährlich werden.“
Schon sah man von Jack nur noch seine wachsamen Äuglein und ein paar Schnurrbarthaare unter der Bettdecke hervorschauen.
Ich folgte sogleich seinem Beispiel und war gespannt, was wohl gefährliches dort in den Bäumen auf uns wartete.
Langsam kamen wir näher. Jack schob den Gashebel des Rasenmähers zurück, der Motor wurde ruhiger und der Propeller drehte sich langsamer. Sachte kamen wir näher.
Jetzt schwebten wir Kreise ziehend hoch über den fünf stattlichen Bäumen. Jack erklärte mir seinen Plan.
„Da unten, das sind Pong - Bäume, in denen fast immer gelb - schwarze Puddingspritzer wachsen. An denen können wir uns sicher satt essen. Aber es ist nicht ganz ungefährlich an ihren Pudding zu kommen. Die Puddingspritzer sind eine  böswillige Blumensorte.
Wir müssen sehr schnell sein, damit wir nicht unter einem klebrigen Puddingberg begraben werden.
Sobald so eine Blume merkt, dass sich etwas in ihrer Nähe bewegt, schleudert sie einen dicken Puddingstrahl danach.
Also, ich rufe: Los! Dann gebe ich Vollgas. Du wirst in einem Sturzflug zwischen den Pong - Bäumen hindurchsausen, wobei du nur darauf achten musst, dass du die Augen nicht voll Pudding bekommst. Du darfst dich unter keinen Umständen verfliegen und zu lange zwischen den Pong - Bäumen bleiben.“
„Ist gut Jack, ich bin soweit!“
„Also dann!“, Jack riss sich seine Mütze vom Kopf und schrie aus vollem Hals: „Zum Angriff! Los!“
Der Motor heulte schrill auf. Schnell drückte ich das Flugbett vorn herunter und zielte mit dem Propeller zwischen den Stämmen hindurch. Mein Herz klopfte wie wild.
Jack lag mit dem Gesicht nach vorn und beobachtete die auf uns zurasende Erde. Die Bäume kamen immer näher.
„Da sind sie!“, hörte ich schwach Jacks Stimme, obwohl er brüllte wie am Spieß. Doch der Fahrtwind schluckte alle Geräusche.
Ich sah auch, was Jack entdeckt hatte. In den Pong - Bäumen, an den schlanken Stämmen wucherten wie Pilze eigenartige, sehr schöne Blumen. Sie hatten die Größe von zwei Erwachsenen und glichen in ihrer Form einer auf dem Stängel stehenden Birne. Die Blüten waren der Länge nach abwechselnd blau-weiß gestreift und oben ragten zierliche lila Staubblätter heraus.
Es waren ungemein viele dieser Blumen, die an den Stämmen wucherten.
Wir waren schon beinahe an dem ersten Stamm vorbei, als ich sehen konnte, wie sich eine besonders große Blume langsam auf mich zudrehte. Sie zitterte kurz. Dann kam ein gewaltiges: „Flatsch!“, und ich konnte schon nichts mehr sehen.
Alles war mit einer süßen klebrigen Flüssigkeit überzogen.
So schnell ich konnte wischte ich mir den leckeren Pudding aus den Augen und umflog gerade noch rechtzeitig den nächsten Stamm, ehe mir die nächste Ladung ins Gesicht klatschte.
Ein einziges Puddingspritzerfeuerwerk setzte ein. Es gelang mir nicht, auch nur einen Moment lang freie Sicht zu haben, obwohl ich das Steuer einfach aus der Hand gelassen hatte um mit beiden Händen den Pudding aus den Augen zu wischen.
Ich wusste nicht, was ich machen sollte! Wir konnten jeden Moment gegen einen der Bäume prallen. Wo sollte ich hinlenken?
„Rüber, mehr rüber!“, hörte ich Jack. „Nein, nicht die Seite, nach der anderen Seite!“
Sofort riss ich das Steuer herum, dass es nur so krachte.
„So? Ist es so richtig?“
Immer dichter fiel der Pudding, wir verloren schon merklich an Höhe. Der Pudding lag schwer auf den Bettbezügen und drückte sie herunter.
„Flatsch!“, und „Flatsch!“, und „Flatsch!“, fiel der Pudding auf uns. „Blubb!“, machte der Motor.
„Jack, Jack, der Motor! Was ist mit dem Motor los?“
„Er ist vollkommen verklebt und ausgegangen Rooo...Flatsch!“
Das musste ein Volltreffer in Jacks Mund gewesen sein. Wir waren verloren.
Ohne Motor konnten wir ja nicht von hier wegfliegen und dann werden wir unter einem riesigen Puddingberg begraben.
Doch wurde es da nicht ruhiger? Endlich konnte ich meine Augen wieder öffnen. Ich sah zu meiner Freude, dass der Schwung, den wir noch hatten, gerade reichte um uns aus der Gefahr zu treiben.
Dann waren diese widerwärtigen Blumen und die ganze Baumgruppe Pong - Bäume schon ein gutes Stück hinter uns.
Jacks verklebtes Gesicht tauchte unter der Bettdecke auf, die er gierig abschleckte.
Komisch sah er aus, so beschmiert von oben bis unten und mit dem Schnurrbart an dem dünne Fäden hinunter sabberten.
Da erschrak ich. Wir sanken noch immer und es war nicht mehr viel Platz zwischen uns und der Erde.
„Wir sinken zu schnell Robert, wir müssen Ballast abwerfen, sonst kommen wir zu hart auf und zerschellen!“
Schnell warf er die Bettdecke über Bord, dass der Pudding, der daran klebte, nur so spritzte. Dabei murrte er: „Eine Schwierigkeit nach der anderen. Dann muss man auch noch den Pudding, wegen dem man das alles auf sich genommen hat, in den Dreck werfen! Aber nicht traurig sein alter Junge, es ist ja zum Glück mehr davon da, als wir essen können!“
Ich sprang schnell auf die Knie und half Jack, die kostbare und für uns doch so gefährliche Fracht über Bord zu schieben. Da wurden wir schon recht unsanft zusammengestaucht und danach gleich wieder in die Luft geworfen.
Nach einem weiteren „Bums“, saßen wir beide schön nebeneinander auf der Erde.
Erst jetzt wurde mir bewusst, dass wir ja schon gelandet waren.
„Wir haben es geschafft, Jack!“
Jack wollte jubelnd aufspringen. „Juhhautsch!“, rief er und rieb sich den Hosenboden.
„Ich bin vielleicht glücklich, dass wir noch leben, Jack!“
„Der ganze Pudding, den wir runter schmeißen mussten, ist das nicht jammerschade, Robert?“
„Na aber Jack, hier ist doch noch so viel, das reicht doch für drei Jahre. Nun ärgere dich nicht. Iß mit mir, ja?“
Das sah er ein. Wir aßen sehr lange und ausgiebig, wobei wir damit begannen, den Motor frei zu essen, denn wir brauchten ihn ja wieder.
„Es ist prima, dass wir mit einem Bett geflogen sind“, sagte ich zwischen den Happen zu Jack. „Da war die Landung nicht so hart.“
Aber Jack konnte nicht antworten. Immer, wenn er etwas sagen wollte, schoben seine Hände den nächsten Happen in seinen gierigen Mund.
„Aber weißt du Jack, eines würde ich doch einmal gerne wissen. Wieso heißen die gelb-schwarzen Puddingspritzer eigentlich so, wenn sie doch blau-weiß sind?“
„Weil meine Uhr kaputt ist, Robert“, brachte er unter größter Mühe hervor und stopfte noch mehr in sich hinein.
Das verstand ich überhaupt nicht. Aber ich sagte trotzdem ein langes: „Ah, ja“, als wunderte ich mich, dass ich nicht selber darauf gekommen war.
Bald ging einfach kein Puddingspritzer mehr in uns hinein. Wir beide lagen bewegungsunfähig auf dem Bett und waren zum Zerplatzen vollgefressen.

Zehntes Kapitel

 Nachdem wir eine Weile geschlafen hatten, erwachten wir frisch und munter. Jack war schon vor mir aufgewacht und rauchte bereits genüsslich seine Pfeife. Ich rauchte nicht mit. Dieses ekelhafte Zeug würde ich nie wieder anfassen. Gut, dass Stofftiere nicht krank werden können, sonst wäre Jack sicher an seiner Stinkepfeife gestorben
Nach einem reichlichen Puddingfrühstück hatten wir alle Hände voll zu tun unser Flugbett wieder in Ordnung zu bringen.
Am meisten Sorgen bereitete uns dabei der Motor, da aus allen Schläuchen und Schrauben der Pudding entfernt werden musste.
Doch schließlich schaffte Jack es.
„So Jack, ich bin auch fertig. Es kann weiter gehen.“
„Na das ist aber alles noch sehr klebrig. Doch wenn man weiß, dass es Pudding ist, stört es einen nicht.“
„Er läuft ja wieder Jack, der Motor läuft wieder! Das hast du ja prima hinbekommen. Ich werde gleich den Anker lösen und wir können weiter fliegen.
Ich bin schon richtig gespannt, was es hier noch alles zu sehen gibt.“
„He, Moment mal, Robert.“
„Was ist denn, warum machst du denn den Motor wieder aus?“
„Hörst du denn nichts, Robert?“
„Nein, was denn?“
„Na das komische Quietschen und das Poltern. Es muss von dort hinter dem Hügel kommen.“
„Doch, jetzt wo du es sagst, kann ich es auch hören. Bei meiner Tante Ulla quietscht die Tür, das hört sich genauso an. Das liegt daran, dass sie die nie ölt.“
„Ja Robert, nur dass das Geräusch näher kommt. Du wirst mir doch nicht weiß machen wollen, dass man das Haus von deiner Tante Ulla hier in der Gegend herumträgt und obendrein die ganze Zeit mit der Tür quietscht?“
„Nein, natürlich nicht. Ich habe ja auch nur gesagt, dass es sich so anhört. Genauso wie es jetzt so aussieht, als käme dort hinten ein Zug auf uns zu oder zumindest eine Dampflok.“
„Eine waaas?“, Jack drehte sich entsetzt um. „Es sieht wirklich so aus“, meinte er dann nachdenklich. „Das Beste wird sein, wir verstecken uns unter der Bettdecke und beobachten, was da wohl auf uns zu kommt.“
„Ja,  das wird das Beste sein“. Ich war ganz schnell unter der Bettdecke verschwunden, die wirklich noch ungemein klebrig war.
„Was ist denn das?“, rief ich erschrocken. „Das ist doch ein entsetzlicher Dra..., Dra..., Dra...!“
„Ein was Robert? Ach ich sehe schon, das ist nur ein Drache und nicht das Haus deiner Tante.“
„Jack, Jack verstehst du denn gar nicht? Das ist ein feuerspeiender Drache. Siehst du nicht, wie er aus der Nase qualmt und wie seine kleinen rubinroten Augen unter den graublauen Schuppen hervorleuchten? Hast du denn gar keine Angst vor diesem bösartigen Monstrum?“
„Nein, warum sollte ich? Und woher weißt du denn überhaupt, dass er bösartig ist?
Hast du schon einmal einen getroffen, der dich schlecht behandelt hat? Oder der böse zu dir war?“
„Nein natürlich nicht!“
„Wäre es die Waschmaschine deiner Mutter, Robert, die da auf uns zu käme, dann wüsste ich, was ich davon zu halten hätte. Aber es ist ein Drache, der sich vor Wasser genauso sehr fürchtet wie ich! Also besteht bis jetzt kein Grund zur Aufregung und ich finde, er quietscht auch ganz fröhlich beim Laufen!“
Der Drache kam immer näher.
„Jack und wenn er nun doch bösartig ist?“
„Dann merkt er gar nicht, dass wir da sind, wenn du endlich den Mund hältst. Er hört uns doch reden.“
„Und wenn, und wenn er uns nun riechen kann?“
„Robert, das ist doch ein Drache und nicht der böse Wolf von Rotkäppchen. Und nun sei doch bitte still, sonst werde ich bösartig und nicht der Drache.“
Der Drache war schon sehr nah und quietschte bei jedem Schritt mit einem seiner Beine. Er hatte mindestens 17, wenn nicht noch mehr.
In regelmäßigen Abständen drehte er ein Bein nach dem anderen einmal im Kreis, schob sich dabei langsam vorwärts und blies dazu im Takt eine dicke Rauchwolke in die Luft. Kratzend zog er seinen langen schuppigen Schwanz hinterher.
Er sah genauso aus wie in meinem Bilderbüchern, nur dass da nie etwas davon stand, dass so ein Drache beim Laufen quietscht.“
Mein Herz blieb fast stehen. Er war schon ganz dicht vor dem Bett, als er plötzlich eine scharfe Kurve machte und seelenruhig quietschend an uns vorbeiwatschelte.
Nach einer Weile, als der Drache weit genug weg war, traute ich mich wieder unter der Bettdecke hervorzusehen.
„Jack, er ist weg!“
Keine Antwort.
„Jack, er ist wirklich weg, du kannst getrost wieder rauskommen.“
Immer noch keine Antwort.
„Jack, hast du denn so eine Angst bekommen? Oder hörst du mich nicht?“
Keine Antwort. Es wurde mir zu dumm. Ich sprang aus dem Bett, lief an das Fußende, und riss die Decke weg.
Doch was war das? Das war doch wirklich die Höhe! Da kam ein schrecklicher Drache vorbei und anstatt sich zu fürchten, schläft dieser Hamster einfach ein.
„Jack!“, schrie ich und rüttelte ihn.
„Äh, was ist denn los?“
„Du bist einfach eingeschlafen Jack, das ist los.“
„Oh, eh, ja. Ich muss wohl eingeschlafen sein. Es ist so schön gemütlich unter der Bettdecke. Na was hat denn der Drache erzählt?“
„Was? Wieso, was soll er denn erzählt haben?“
„Na er ist doch sicher hier vorbeigekommen und da muss er doch erzählt haben, wie es ihm geht oder so. Du warst doch eben noch so begierig zu wissen, ob es ein bösartiger Drachen ist.“
„Aber Jack, dachtest du etwa, dass ich ihn anspreche?“
„Ja natürlich. Sag nur, du hast ihm noch nicht einmal einen Guten Tag gewünscht?“
„Nein, hab ich nicht. Du hättest ja auch nicht schlafen brauchen, oder?“
„Na gut, streiten wir uns nicht, sondern fliegen wir dem Drachen lieber hinterher und holen nach, was wir versäumt haben.“
Ich fand seine Idee überhaupt nicht gut. Aber ich sagte lieber nichts, da ich ihm ja doch nicht klar machen konnte, dass man vor einem Drachen Angst haben muss.
Der Motor ratterte und ich holte schnell den Anker ein, bevor wieder etwas dazwischen kam.
Wo ein Drache war, konnten ja auch gut noch mehr sein. Ich fand es immer noch besser, einem Drachen hinterher zu fliegen, als ihm auf der Erde zu begegnen.
Schnell stiegen wir auf. Dieses Mal steuerte Jack das Bett wieder.
Wir blieben in geringer Höhe über der flauschigen, blauen Wiese und drehten in die Richtung ein, in die der Drache auch gelaufen war.
Die Gegend wurde leicht hügelig und wir überquerten eines der gelben Flüsschen.
„Sieh nur einmal über uns, was für lustige Vögel es hier gibt.“
Ich sah nach oben. Dicht über unseren Köpfen glitt in eigenartigen Bewegungen ein purpurroter Vogel dahin. Er glich einem Ballon und hatte einen leuchtend weißen Schwanz. Aber halt, er hatte keine Flügel und was im ersten Moment wie Federn aussah, waren Schuppen.
„Jack, das ist gar kein Vogel, das ist ein fliegender Fisch.“
„Fische fliegen nicht, sondern Vögel! Also ist das ein Vogel, der wie ein Fisch aussieht und nicht ein Fisch, der wie ein Vogel fliegt.“
„Von mir aus Jack, aber wie kann er denn ohne Flügel fliegen?“
„Na genauso wie wir Robert. In seinem kullerrunden Bauch wird ein Gas sein, das leichter als Luft ist.“
„Er ist wunderschön Jack!
Das da hast du bestimmt noch nicht gesehen. Dort unten auf dem Teppichgras, diese wundervolle durchsichtige Blume, die so schwach in allen Regenbogenfarben schillert, wie eine halbierte Seifenblase. Oder ist das keine Blume?“
„Nein, das ist wirklich keine Blume. Sieh nur, es bewegt sich doch ganz langsam.“
„Ja, du hast recht. Aber was ist es denn dann? Man kann ja nirgends einen Kopf oder Beine sehen.“
„Wie das Tier heißt, habe ich leider vergessen Robert, aber es hat den Kopf in der Körperwölbung und du kannst ihn nicht sehen, weil er genauso durchsichtig ist wie der Rest des Tieres. Siehst du den eigenartigen Streifen Gras dahinter?“
„Ja, es sieht aus wie abgefressen.“
„So ist es auch. Das Tier frisst das Gras ab. Deshalb ist es hier überall so schön kurz und wuschelig. Ach ich habe den Namen wieder, man nennt es Schramm.“
„Woher weißt du das eigentlich alles, Jack? Warst du schon einmal hier?“
„Nein, ich war noch nicht hier. Woher ich das weiß? Äh, das weiß ich nicht.
Wir müssten den Drachen doch längst eingeholt haben, Robert. Hoffentlich ist er nicht in eine andere Richtung gelaufen.“
„Doch hoffentlich!“
„Wie bitte, Robert?“
„Äh, äh, nichts.“

Elftes Kapitel

„He Jack da hinten, da, ganz hinten in dem Wald oder besser über dem Wald, wie das funkelt! Also wenn das nicht auf dieser eigenartigen Säule stehen würde, ich würde sagen, dass das eine riesige Burg ist.
Ja, man kann schon die einzelnen Türme erkennen. Den Drachen werden wir doch nicht mehr finden. Lass uns lieber zu der Burg fliegen. Vielleicht kann man die besichtigen. Ich mag alte Burgen. Wenn ich in ihnen bin, fühle ich mich wie in der Ritterzeit, einfach toll!
Jack, die Burg ist viel größer als die Burgen, die ich bis jetzt gesehen habe. Magst du auch so gerne Burgen wie ich?“
„Das kommt eigentlich mehr darauf an, wer darin wohnt. Wenn es sich um Raubritter handelt, kann ich mich nicht recht dafür begeistern. Du musst wissen, dass Raubritter nur in den seltensten Fällen Hamster zu einem Essen mit Schokoladenpudding einladen.“
„Ach Jack, du denkst ja schon wieder ans Essen. Als hätten wir nicht genug Pudding gehabt. Aber sieh nur, ich finde es sieht so aus, als wäre unsere Burg dort vorn weder zerfallen, noch ein Museum.“
„Ja was hast du denn gedacht, Robert? In der Gegend wohnen alle Leute in Burgen, weil sie sich vor den Drachen fürchten.“
„Aber warum ist die Burg auf so einem dünnen wackligen Stängel gebaut?“
„Die Säule sieht nur so wacklig aus, sie ist fester als du denkst. Man hat ja nichts von einer Burg, wenn der Drache, vor dem man sich schützen will, einfach in sie hineinspazieren kann. Den steilen, engen Weg über die Säule zur Burg hinauf kann so ein dicker Drache nicht gehen. Er würde immer zur Hälfte in der Luft hängen. Verstehst du?“
„Ich denke vor Drachen braucht man sich gar nicht zu fürchten?“
„Das kommt darauf an. Eigentlich braucht man das sicher auch nicht, aber genau weiß ich das auch nicht. Am besten wir fragen einfach einmal die Leute in der Burg, ja?“
„Ja klar und dabei können wir uns gleich die Burg ansehen. Lande bitte trotzdem vorsichtig in der Burg, nicht dass sie doch von ihrem Stängel abfällt.“
Und schon waren wir dicht vor der ersten Burgmauer. Jack flog erst einmal um die ganze Burg herum, die unten an der untersten Mauer ganz schmal war und sich dann nach oben sehr weit verbreiterte.
Ich sah hinter den Zinnen ab und zu ein verängstigtes Gesicht hervorspähen. Es war sicher die Wache der Burg. Sie hatten sehr eigenartige Hüte auf. Hüte?
Ich war sehr froh, dass sie ängstlich waren und nicht ich. Im Gegenteil. Wir mussten über die Wachsoldaten lachen. Wenn man das auch eigentlich nicht tut.
„Sie haben einen Schnabel auf dem Kopf“, prustete Jack unter wildem Gelächter hervor.
„Ja, ja er sieht aus, wie der Hut von meiner Tante Ulla!“, rief ich. „Nur, dass sie nicht so aufgeregt damit klappern kann.“
Die Bewohner der Burg hörten natürlich unser Lachen und fürchteten sich noch mehr.
Jack ließ unser Bett geschickt im Innenhof der Burg landen und stellte sich stolz mitten auf das Kopfkissen.
„Was willst du machen, Jack?“
„Ich will eine Rede halten und den Leuten hier sagen, dass sie keine Angst zu haben brauchen. Wir sind ja nur als Touristen gekommen und wollen ihnen nichts tun.“
Mir tat es richtig leid, dass ich sie vorhin so übel ausgelacht hatte. Sie fürchteten sich so sehr,  dass ich ein ganz schlechtes Gewissen bekam.
Ihre großen verängstigten Augen starrten alle erschrocken auf uns herab. Sie haben im übrigen fünf bis zehn davon. Ihr ganzer Körper ist mit einem herrlich weichen Fell bedeckt, das die verschiedensten Farben annehmen kann.
Bevor wir sie auslachten, hatte jeder, den wir sahen, eine andere Farbe. Doch dann wurden alle gelb, was sicher so ist, als würden wir eine Gänsehaut bekommen.
Jack begann mit seiner Rede, von der ich mir leider nur gemerkt habe, dass sie sehr eindrucksvoll war.
Das Schnabelgeklapper wurde ruhiger, bis es endlich ganz verschwand.
Die Tür in den Innenhof zu uns öffnete sich langsam. Eine Gruppe der Bewohner näherte sich uns vorsichtig unter ständigen Verbeugungen. Jack grinste ihnen freundlich entgegen.
Sie trugen alle kostbare Kleider mit langen Schleppen, denen sie ihr Fell in der Farbe geschmackvoll angepasst hatten.
Verwunderlich war nur, dass sie nur einen oder zwei Arme, dafür aber acht bis neun Beine besaßen, die ihnen unentwegt durcheinander kamen.
Diesmal konnte ich mit größter Mühe das Lachen verkneifen und tat so, als müsste ich husten.
Auch Jack hatte auf einmal einen schrecklichen Hustenanfall, doch verbeugte er sich ebenfalls.
Die Abgesandten bauten sich in einigem Abstand um unser Bett auf und sahen uns nur ängstlich an. Endlich fasste der Ranghöchste Mut und brachte zaghaft hervor: „Edle Herren, Touristen und Zauberer!“ Er verbeugte sich wieder.
Wahrscheinlich waren Touristen und Zauberer für ihn ein und das selbe.
Mit stotternder Stimme sagte er: „Wenn ihr wohl die Güte haben würdet, uns in den Palast zu folgen, wo unser König schon voll Ungeduld auf euch wartet?“

Zwölftes Kapitel

 „Das ist eine Einladung!“, jubelte Jack neben mir. „ Wo man eingeladen wird, da ist das Festessen nicht weit.“
„Jack, bis jetzt war noch keine Rede von einem Essen, also sprich bitte nicht immer davon. Was sollen denn die Minister oder was auch immer diese Leute sind, von uns denken?“
Wir gingen hinter den Würdenträgern her, die über ihre eigenen Beine stolpernd in eine geräumige Vorhalle traten.
In dieser Halle hing auch ein großes Bild des Königs, unter dem zu lesen war: „Klapperrack der Große König aller Schnatterschnäbel!“
„Aha!“, rief Jack. „Wir sind in dem Land der Schnatterschnäbel!“
Wir wurden von einem herrlichen Saal in den nächsten geführt. In allen Gängen waren unzählige Schnatterschnäbel versammelt, die aus sicherer Entfernung voller Neugier zu uns starrten.
Da waren Diener, Wachen, Handwerker, Stallknechte, Burgfräuleins und viele andere, von denen ich nicht wusste, was sie sind.
Doch auffallend war, je vornehmer ihre Kleidung, desto weniger Arme und um so mehr Beine hatten sie.
„Wer keinen Arm hat, muss sich immer bedienen lassen und das gilt hier als besonders vornehm“, erklärte Jack.
So war ich auch nicht überrascht, als man uns in den Thronsaal führte, dass der König keinen Arm hatte, sondern nur zehn Beine.
Später erklärte man uns, wie das bei den Schnatterschnäbeln ist. Je nachdem in welcher Stellung man ist, zieht man sich Schuhe an die Füße oder an die Hände, denn bei den Schnatterschnäbeln gibt es keinen Unterschied zwischen Füßen und Händen. Man kann wie man will, entweder zehn Beine oder zehn Arme haben. Praktisch, was?
Der König saß auf einem großen goldenen Thron, in dem sich das Kerzenlicht des riesigen Thronsaals spiegelte.
Der König war so sehr damit beschäftigt seine Angst zu verbergen und würdevoll auszusehen, dass er uns erst nach einer Weile bemerkte.
Er zuckte zusammen und seine Krone, die er um den Schnabel trug, wackelte fröhlich hin und her.
„Große Zauberer, ich freue mich sehr die Ehre zu haben, euch in meinem bescheidenen Palast empfangen zu dürfen“, nuschelte er, da er kaum den Schnabel aufbekam, um den ja die Krone lag.
Ich wollte etwas Nettes sagen, verbeugte mich und sagte: „Ihr habt einen sehr schönen Palast. Bescheiden finde ich ihn gar nicht. Ich möchte euch sagen, dass euch eure Krone ausgezeichnet steht. Besonders hübsch sind die vielen Blumen, die ihr an sie gesteckt habt.“
Der König war sehr geschmeichelt und wechselte die Farbe seines Fells aus dem Mausgrau in ein freundliches Hellblau.
Die Höflinge taten es ihm nach und bald sah man überall leuchtend blaue Fellgesichter.
“Ja liebe Zauberer, die Krone ist noch von meinem Ururururgroßvater und die Blumen pflücke ich in meinem Garten jeden Morgen selbst“, und dabei rannen dicke Tränen aus allen seiner neun Augen und er schluchzte laut.
Es war schrecklich, mit ihm schluchzte der ganze Hofstaat: Alle Diener und Dienerinnen, alle Minister und Würdenträger und selbst die Köche und Küchenjungen.
„Was meinst du Robert?“, hörte ich Jack neben mir. „Ob er weint, weil er die Blumen selber pflücken muss oder weil ihm die Blumen leid tun, weil er sie einfach so abreißt?“
„Das kann ich mir nicht denken, vielleicht ist er traurig, weil er schon alle abgerissen hat?“
Jack machte das Beste, was man in solchen Fällen machen kann, er fragte einfach:
„Herr König, nein, eure Majestät! Würdet ihr wohl die Güte haben und mir sagen, warum ihr weint?“
„Ach wenn ihr wüsstet!“ Ein Diener tupfte dem König mit einem geblümten Taschentuch die Tränen aus den Augen.
„Aber erhabene Majestät“, sprach ich ihn an. „Die Blumen, die ihr so mögt, werden doch bestimmt nachwachsen, deshalb braucht ihr doch nicht so traurig zu sein.“
„Was wisst denn ihr?“, schrie der König plötzlich und wir zuckten beide zusammen.
„Als würde ich wegen irgendwelcher Blumen weinen. Es ist doch nur so, dass meine Tochter sie mir immer gepflückt hat und dass ich an sie denken muss, wenn ich sie mir jetzt selber pflücke.“ Schon schluchzte der arme König wieder und 200 Höflinge mit ihm.
„Jack, was ist denn mit dir? Du könntest ruhig ein bisschen Mitleid zeigen, und nicht so verärgert dreinschauen.“
„Ich habe es einfach satt, wir sind schon wieder in ein albernes Märchen geraten. Ich hätte es wissen müssen, das ist doch zu langweilig! Kaum kommt man zu einem König, schon erklärt er einem, dass seine Tochter von einem Drachen geraubt ist und man muss den Helden spielen und sich mit dem Drachen hauen, der eigentlich ein ganz prima Kumpel ist.“
Jack hatte die letzten Worte vor Empörung so laut gesprochen, dass der König staunte und alle Jack verblüfft ansahen.
Jack hätte bestimmt einen roten Kopf bekommen, wenn der nicht mit Fell bedeckt wäre.Der König stotterte: „Woher wisst ihr, da.. da.. dass es ei.. ein Dra.. Dra.. Drache war?“
„Ach es ist doch immer dasselbe mit solchen Geschichten!“, rief Jack ärgerlich. „Erst fangen sie gut an mit Puddingessen und so und dann werden doch wieder Märchen daraus.
Wenn es wenigstens nicht immer eine Prinzessin wäre, um deretwillen alle Welt erwartet, dass man sich mit einem Drachen herumärgert. Wo Drachen doch vom Aussterben bedroht sind. Aber das interessiert niemand.“
„Jack“, flüsterte ich in sein Hamsterohr. „Wie kannst du nur so egoistisch und grausam sein und immer nur an das Essen denken? Siehst du denn nicht, wie traurig der König und alle Schnatterschnäbel hier sind? Denk doch einmal an die arme Prinzessin.“
„Wieso weißt du denn, dass sie arm ist? Vielleicht ist es ein sehr netter Drache und sie will überhaupt nicht, dass man sie befreien kommt.“
Da kam mir eine großartige Idee, wie ich Jack dazu begeistern könnte, die Prinzessin zu befreien. Alleine loszugehen traute ich mich doch nicht. Jack kannte sich ja mit Drachen aus und zu zweit ist sowieso immer alles leichter.
Ich ging also auf dem langen, weichen Teppich, der bis vor den Thron führte, ein paar Schritte vor, verbeugte mich kurz und fragte: „Eure Majestät, hättet ihr wohl die Güte mir zu erlauben eine Frage an euch zu richten?“
Der König war schon ganz in seinen Kummer versunken und nickte nur schwach mit dem Kopf, als wäre ihm sowieso schon alles egal.
„Wenn wir deine Tochter, die Prinzessin, befreien würden, gäbe es dann ein Festessen mit Pudding für uns?“
Bei diesen Worten ging ein Raunen durch den ganzen Thronsaal und der König schnellte in seinem Thron hoch, dass er beinahe seine Krone verloren hätte.
„Ja, natürlich gibt es dann ein Festessen, ach was sag ich, es gibt zwei Wochen lang jeden Tag drei Festessen. Also dann wollt ihr gegen den schrecklichen Drachen kämpfen?“
Ohne dem König zu antworten schrie Jack aufgeregt: „Mit Vanille - Pudding - Schoko - Pudding - Erdbeereis - Pfannkuchen - Schokoladenstreuseln - Zuckerwatte?“
„Ja.“ sagte der König etwas verstimmt.
„Also werdet ihr nun versuchen, die Prinzessin zu befreien? Ich gebe auch mein halbes Königreich und alle Schätze aus meiner Schatzkammer!“
„Mit Zuckerwatte, mit Zuckerwatte!“, jubelte Jack unentwegt und tanzte vor dem Thron von einem Bein auf das andere.
„He, Jack!“  Ich stieß ihn in die Seite. „Wollen wir nun? Machst du mit?“
„Ja, ja, ja, Herr König. Und es gibt auch bestimmt Zuckerwatte?“
„Bestimmt!“ sagte der König, und stellte sich vor Freude auf seinen Thron und tänzelte mit allen zehn Beinen darauf herum.
„Dann lass uns keine Zeit verlieren, Robert. Wir wollen schnell die Prinzessin holen und ihr, Herr König, macht inzwischen das Festessen fertig.“
„Aber Jack, warte doch einmal!“ Jack wollte mich schon hinausziehen. „Wir wissen doch noch nicht, wie sie heißt und wo wir die Prinzessein suchen sollen.“
„Ja, richtig, das hätte ich jetzt ganz vergessen.“
„Sie heißt Pelagonie und der Drache wohnt hinter dem Wald der schreienden Grunzer, der Schlucht der stinkenden Schlünde, der Wüste des wehenden Sandes, der Wiese der fliegenden Spinnen auf dem schwebenden Berg.“
Ich zuckte unwillkürlich bei jedem dieser Namen zusammen und Jack wurde ganz klein neben mir.
„Das hört sich ja schrecklich an“, flüsterte Jack. „Da müssen wir noch ein bisschen hier bleiben um uns auf eine so gefährliche Reise vorzubereiten.
Und ich dachte, es wird wieder eines dieser langweiligen Märchen, wo sich der Drache im nächsten Wald in einem alten Hamsterbau verkrochen hat. Wenn man den dann ordentlich anschreit, gibt er von allein die Prinzessin heraus. Von der hat er sowieso die Nase voll, weil er den ganzen Tag für sie kochen muss und sie ihn immerzu ärgert und an den Ohren zieht.“
„Heißt das, ihr habt Angst bekommen und wollt es nicht mehr wagen?“, fragte der König besorgt.
„Nein, nein wenn es auch schwer wird, ein Festessen lässt sich ein Hamster nicht entgehen.“
Ich wurde gar nicht mehr nach meiner Meinung gefragt, obwohl ich inzwischen nicht mehr so wild darauf war, die Prinzessin zu retten. Wenn ich nur an die fliegenden Spinnen dachte oder an den Wald der schreienden Grunzer.
„Gib deinen besten Handwerkern den Befehl, zu uns zu kommen, gib uns ein Zimmer, das wir als Werkstatt benutzen können, und lass unser Flugbett dort hineintragen. Ach ja, und bitte lass uns eine große Menge Pfannkuchen backen.“
Der König gab Anweisungen an seine Vertrauten und Jacks Wünsche wurden sofort erfüllt.
Ein dicker Diener führte uns durch den Palast zu unserer Werkstatt. „Es ist ein wunderschöner Palast, findest du nicht auch, Jack?“
Doch Jack antwortete nicht, er überlegte, was alles an meinem Bett zu verändern ist um den kommenden Gefahren zu begegnen.
Wir gingen immer weiter durch viele Gänge und Säle mit hohen Fenstern und unzähligen Spiegeln.
Endlich blieben wir vor einer prächtigen Tür stehen. Würdevoll öffnete der Diener die Tür und führte uns in einen geräumigen Saal, in dem schon 20 Handwerker mit vielen Werkzeugen um mein Bett standen.
“Wie klug von dem König, uns ein Zimmer mit Balkon zu geben. Da können wir gleich von hier oben starten. Findest du nicht, Jack?“
„Ja, und auch die Handwerker sehen ganz tüchtig aus. Wir wollen gleich mit der Arbeit beginnen.“
„Also!“, sagte Jack. „Wir brauchen: ein langes dickes Gummiband, einen Korb, zwei Eisenstangen, einen Eimer, Klebeband, eine Luftpumpe, Schlauch, Mehl, Klebstoff in einer Tortenspritze, zwei Kochtöpfe in Hutgröße, zwei große Topfdeckel und zwei Gummischwerter!“
Alle rannten eilig in verschiedenen Richtungen auseinander. Bis auf drei Schmiede, mit ihnen baute Jack eine Wasserpumpe.
Sie waren kaum damit fertig, denn alle drei Schmiede hatten acht Arme, mit denen sie in Windeseile arbeiteten, als auch schon die bestellten Gegenstände hereingeschleppt wurden.
Ich verstand weder was Jack vorhatte, noch wozu er die ganzen Sachen brauchte. Da ich ihm nicht helfen konnte, setzte ich mich in einen kleinen Sessel und sah der Arbeit zu. Dabei bin ich wohl eingeschlafen. Als ich aufwachte, war ich mit Jack allein und alle Arbeit war schon verrichtet worden.

Dreizehntes Kapitel

„Was hast du mit meinem Bett gemacht, Jack? Das sieht ja jetzt aus wie eine große Steinschleuder mit den Rohren da am Kopfende und dem Gummiband dazwischen.“
„Nein, nein, das ist eine Pfannkuchenschleuder. Wir müssen uns ja schließlich verteidigen. Nein, wir wollen ja angreifen, denn der Drache verteidigt ja die geraubte Prinzessin.
Ah, es klopft schon an der Tür. Ja, das sind die Pfannkuchen, dann kann es gleich losgehen.
Ja, ja stapelt sie dort in den Korb, der da am Fußende angebunden ist!“
Zwei Schnatterschnäbel trugen ein Tablett mit duftenden Pfannkuchen herein.
„Jack ist das unser Proviant?“
„Ja und unsere Munition. Es ist doch praktisch, wenn man seine Kanonenkugeln essen kann, oder?“
„Ja, ist lustig. Wenn der Drache nun doch nett ist, braucht man sie nicht wegzuwerfen und isst sie einfach auf.“
„Wir werden uns wohl mehr mit den schreienden Grunzern und mit den fliegenden Spinnen herumärgern müssen als mit dem Drachen, aber ich habe an alles gedacht. Füll doch bitte Wasser in den Tank dort drüben, ich habe ihn unter das Bett gebunden.“
„Das verstehe ich. Du hast ihn mit dem Schlauch mit der Wasserpumpe verbunden und hier ist eine Spritze. So können wie die fliegenden Spinnen vollspritzen, ja?“
„Ja, ich hoffe nur, die haben Angst vor Wasser wie ich, sonst können wir sie immer noch ankleben.“
„Jack, nun habe ich keine Angst mehr. So gerüstet werden wir es auch den schreienden Grunzern zeigen. Die kann ich überhaupt nicht ausstehen. Immer wenn es dunkel ist, ärgern sie mich in meinem Kinderzimmer zu Hause.
Die Diener trugen unser Flugbett auf den Balkon und der König kam mit den Großen des Reiches in unsere Werkstatt um uns zu verabschieden.
„Jack, warum bohrst du denn zwei Löcher in die Kochtöpfe?“
„Ich bitte dich Robert, du kannst doch unsere Ritterhelme nicht einfach Kochtöpfe nennen. Wenn sich das hier herumspricht, dass zwei Ritter mit Kochtöpfen auf dem Kopf ausziehen um die Prinzessin zu befreien, dann werden wir doch ausgelacht.“
„Oh danke Jack, er passt wirklich prima. Ah ja, jetzt verstehe ich, die Topfdeckel sind unsere Schilde. Nun brauchen wir nur noch zwei Schwerter.“
Ein Diener gab dem König die zwei angefertigten Gummischwerter. Der König überreichte sie uns mit seinem Schnabel feierlich.
„Du siehst wirklich aus wie ein richtiger Ritter, Robert“, hörte ich Jacks Stimme dumpf unter dem Helm hervorkommen.
„Ja du auch Jack, komm wir wollen losfliegen. Ich kann es kaum erwarten, die Prinzessin zu befreien.“
Der ganze Hof war voller Schnatterschnäbel, die jubelten, als wir über sie hinwegflogen.
Jack schlug zum Abschied mit seinem Gummischwert gegen den Topfdeckel, ich meine natürlich gegen sein Schild.
Der König wackelte auf dem Balkon huldvoll mit dem Kopf, denn winken kann man ja schlecht, wenn man keine Arme hat.
Ich flog in die Richtung, die uns der König gewiesen hatte, doch von dem Wald der schreienden Grunzer war noch keine Spur zu sehen. Wir legten deshalb unsere Waffen und Rüstung ab, da sie sehr unbequem waren.
„Wollen wir nicht ein paar Pfannkuchen essen, Robert?“
„Ja, wenn du meinst, aber nicht so viele, sonst haben wir ja keine Munition mehr.“
„Na nun gib schon ein paar, ich werde schon nicht gleich alle auffuttern. Außerdem bin ich der Schütze und der Schütze hat immer über die Munition zu bestimmen!“
Ich gab nach, denn da hatte Jack recht. Wir aßen genüsslich ein paar Pfannkuchen.
Die Burg der Schnatterschnäbel lag schon weit hinter uns und auch der Wald, der sie umgab, entschwand allmählich unseren Augen.
Unter uns breitete sich wieder bis zum Horizont die blaue Wiese aus.
Wie gut, dass wir so schnell fliegen, es scheint wirklich sehr weit zu sein bis zum schwebenden Berg und der Prinzessin, die darauf gefangen ist. Hoffentlich reicht das Benzin in dem Rasenmäher für den Hin- und Rückflug, Jack.“
„Da brauchst du dir keine Sorgen zu machen, Robert. Ich habe etwas von dem Puder meiner Urgroßmutter und etwas von dem Gas aus meinem Feuerzeug in den Tank getan. Das ist das beste Benzin der Welt.“
„Ach deswegen fliegen wir auch so schnell!“
„Ja weißt du, wenn es um ein Festessen geht, soll man nicht bummeln, wie schon ein altes Hamstersprichwort sagt.“

Vierzehntes Kapitel

„Jack sieh nur da vorn, das könnte doch ein Wald sein oder was meinst du?“
„Hm, ja, ich glaube auch, aber wir sind noch zu weit weg. Vielleicht ist es auch ein Gebirge oder eine Riesenschlange, die sich am Horizont schlafen gelegt hat.“
„Hoffentlich wacht die riesige Riesenschlange nicht auf, wenn es eine sein sollte.“
Wir kamen wirklich sehr schnell näher.
„Jetzt kann man es schon sehen, Jack. Es ist keine Riesenschlange, aber auch kein Wald. Es ist ein sehr eigenartiges Gebir....
Jack!!! Es bewegt sich und dabei ist es so riesengroß und scheint nirgendwo einen Anfang oder ein Ende zu haben. Ob es ein Erdbeben ist, das das ganze Gebirge erschüttert?“
„Du irrst dich Robert, aber ich habe mich auch geirrt. Es ist weder eine riesige Riesenschlange, noch ein Gebirge, auch wenn es so groß ist.
Es ist ein Regenwurm.“
„Ein Regenwurm?“
„Ja, ich hätte fast selbst vergessen, wie klein wir sind. Für uns ist ein Regenwurm so groß wie ein Gebirge.“
„Wie gut dass wir fliegen, was Jack, sonst müssten wir jetzt über den gebirgsgroßen Regenwurm klettern.“
„Das ist wirklich ein Glück. Aber sieh nur, da hinten, das muss schon der Wald sein.“
„Oh ja, sicher. Er sieht auch so richtig gespenstisch aus.“
Bald sah der Regenwurm hinter uns wieder wie ein fernes Gebirge aus und man konnte schon einzelne Bäume des Waldes unterscheiden.
„Jack ob hier Winter ist? Die Bäume haben ja gar keine Blätter.“
„Nein, hier ist genauso Sommer wie überall, die Bäume sind nur abgestorben. Das ist so in Gespensterwäldern, denn sonst wären sie ja nur halb so gruselig.“
„Oh, jetzt wird es auf einmal dunkel. Ich glaube, ich fange auch schon an mich zu fürchten.“
„Hör bloß auf, sonst merken das die Grunzer und fühlen sich stark. Sich jetzt zu gruseln, kann gefährlich werden.“
„Aber warum wird es denn überhaupt dunkel, die Sonne scheint doch noch ganz hell?“
„Wann kommen dich die Grunzer erschrecken? Im Dunkeln! Richtig, Robert?“
„Richtig!“
„Na, also werden sie doch sicher im Dunkeln zu Hause sein und genau da sind wir ja jetzt.“
„Ach ist das schrecklich, ich glaube mir zittern die Knie, Jack.“
„Ach was Robert, du musst daran denken, dass die Grunzer immer in der Nacht zu dir kamen, immer dann, wenn du schlafen wolltest. Du hast dich gefürchtet. Jetzt kannst du dich dafür rächen.
Du musst nur daran denken, dass du keine Angst vor ihnen hast, dann bist du schon stärker als sie. Außerdem haben wir doch hier noch eine kleine Überraschung für sie. Das wird bestimmt lustig.“ Jack hob die Luftpumpe hoch und füllte Mehl in sie hinein.
„Weißt du, das einzige vor dem sie sich fürchten ist, dass man sie so sieht, wie sie wirklich aussehen. Deshalb kann man auch nur im Dunkeln vor ihnen Angst haben“, und dabei kicherte er fröhlich vor sich hin. „Wir werden sie einpudern Robert, huahahaha!“, lachte Jack los.
„Was für eine prima Idee.“
„Schön, dann zum Angriff. Robert, gleich sind wir am Gespensterwaldrand. Du fliegst mitten durch den Wald hindurch und darfst dich nur ja nicht fürchten. Alles klar?“
„Wie soll ich denn in der Dunkelheit zwischen den Bäumen hindurchfinden? Warum fliegen wir nicht einfach über den Wald?“
„Das habe ich dir wieder vergessen zu sagen. Es ist ganz egal, wie hoch wir fliegen, der Wald wird immer genau vor uns liegen. Es ist doch ein Gespensterwald, in dem nur die Dunkelheit wirklich da ist, und die Grunzer natürlich.“
Und schon sausten wir in das dunkle Gestrüpp des Waldes. Es krachte schauderhaft. Man konnte denken, wir hätten mindestens drei dicke Eichen umgerissen. Aber es war weder ein Aufprall, noch eine Erschütterung zu spüren.
Die riesigen Stämme der abgestorbenen Bäume rasten auf uns zu, gespenstisch hingen von ihnen die dunklen Äste herab, die uns zu fangen schienen. Doch immer krachte es nur ohrenbetäubend und wir flogen direkt durch sie hindurch.
Zwischen den hellgrauen und dunkelroten Stämmen bewegten sich große schreckliche Schatten und die Luft war von einem Stöhnen und Grunzen erfüllt. Ich war schon kurz davor Angst zu bekommen, als Jack die Luftpumpe aufzog und „Pffff“, blies er genau vor die Füße eines Schattens eine weiße Wolke.
„Was ist denn das Jack?“ Ich musste lachen.
„Das ist ein Grunzer, davor brauchst du dich nun tatsächlich nicht mehr zu fürchten, oder?“
Vor uns tanzte eine weiße Gestalt in der Größe eines Kaninchens und wäre fast vor Wut geplatzt. Was sollte der arme Grunzer auch machen, jetzt wo man diesen erbärmlichen Wicht sehen konnte, hatte natürlich niemand mehr vor ihm Angst.
Alle Versuche, gruslig zu wirken, sahen komisch aus.
Jack versetze schon dem nächsten Besitzer eines riesigen Schattens eine gehörige Dosis Mehl, dem es natürlich genauso erging.
„Wenn man sieht, wer den Schatten macht, den ich immer so schrecklich fand, kann man sich beim besten Willen nicht mehr davor fürchten, Jack.“
Bald war der ganze Wald voll schimpfender kleiner weißer Männlein, die wild mit den Armen und Beinen fuchtelten und wie am Spieß schrieen.
„Hoffentlich ist der Wald bald zu Ende Robert, sonst lache ich mich noch kaputt.“
Es schien die Grunzer am meisten zu ärgern, dass wir sie auslachten. Das freute mich ungemein.
Langsam wurden die Bäume durchsichtig und wir flogen wieder über die blaue Wiese.
„Sie sind verschwunden, Jack!“
„Ja Robert, das ist auch die einzige Möglichkeit, wieder aus diesem Wald zu gelangen. Er umgibt einen so lange, bis man sich selbst von seinem Anblick frei macht.
Das Lachen ist eine der stärksten Waffen, die es überhaupt gibt gegen alles was einem Angst macht.“
„Juhuu, dann haben wir schon das erste Hindernis überwunden, Jack!“

Fünfzehntes Kapitel

Wir tanzten vor Freude auf dem Bett herum und wären um ein Haar abgestürzt.
Doch unsere Freude hielt nicht lange an, aus dem Lachen wurde ein Niesen.
„Hatschieh, das brennt aber in der Nase. Wo kommt nur der Gestank her, Jack?“
„Ich weiß auch nicht, aber mir tränen meine Hamsteraugen, haatschiehhh.“
„Jack ich werde einfach einmal höher fliegen, vielleicht ist weiter oben bessere Luft. Puh dieser Gestank, haatschieh.“
„Ja hoffentlich Robert, es ist nicht zum Aushalten. Hast du eben Gestank gesagt? Wir müssen ja noch über die Schlucht der stinkenden Schlünde. Wie es hier riecht, ist sie sicher nicht mehr weit.“
„Oh je Jack, du meinst also, der Gestank wird noch schlimmer?“
„Ja, das ist so ziemlich sicher und ich weiß überhaupt nicht, was wir dagegen machen könnten.“
Ich flog steil nach oben, aber es wurde nicht besser, im Gegenteil. Hier wehten große gelbe Stinkewolken herum und fast wären wir in eine hineingeraten.
„Steil runter! Schnell! Ganz unten, wo der Rauch hochsteigt, wird es sicher nicht so schlimm sein!“
„Ja, du hast recht, es wird besser. Aber oh weh, sieh nur, dort vorn! Da kommen wir doch nie durch.“
Wir waren wieder in der Nähe des Erdbodens und hier ließ es sich aushalten. Es stank zwar immer noch furchtbar, aber wir mussten nicht mehr niesen. Was viel schlimmer war, war der Graben oder besser der Qualm, der sich wie eine Mauer aus dieser Schlucht erhob.
„Wenn wir wüssten, wie breit die Schlucht ist, Robert, könnten wir ja die Luft anhalten und mit Vollgas durch den Rauch sausen, aber so? Wir werden wohl umkehren müssen und dem König sagen, dass wir der Prinzessin nicht helfen könnten.“
„Denk doch mal an das Festessen, Jack. Keine Prinzessin, kein Festessen!“
„Ja, du hast recht, also müssen wir wohl oder übel durch. Das Festessen kann ich mir als Hamster wirklich nicht entgehen lassen.“ Träumerisch griff jack nach seinem Schlapperlätzchen und wollte es sich in Gedanken versunken umbinden, als gebe es das Festessen schon. Plötzlich hielt er inne. „Hab ich es mir doch gleich gedacht, wenn so ein verfressener Hamster wie ich an das Essen denkt, dann kommen ihm immer die besten Ideen.
Wir werden uns einfach die Schlapperlätzchen vor die Nase binden, dann riechen wir den schrecklichen Gestank nicht mehr und müssen auch nicht mehr niesen.“
„Ja prima! Nur ich habe kein Schlapperlätzchen, soll ich hier warten? Du befreist schnell die Prinzessin und kommst mich hier abholen, Jack?“
„Nein, ich habe immer zwei Schlapperlätzchen dabei. Weißt du, mir ist es schon manchmal passiert, dass wenn etwas besonders gut schmeckt, ich aus Versehen das Ding mitgefuttert habe. Ich könnte ja nicht weiter essen, wenn ich nicht ein Ersatzschlapperlätzchen mit hätte.“
„An was du alles denkst und wie umsichtig du bist, Jack.“
Wir banden uns die Lätzchen gegenseitig vor die Nase und ich flog direkt in die gelbe Rauchmauer hinein.
„Puh, schon geschafft. Da bin ich aber froh. Haha, wie siehst denn du aus, Jack?“
„Hihihi, das musst du sagen, wenn du dich sehen könntest.“
„Ach, dann bin ich auch so verrußt, wie du Jack. Das ist ja eine schöne Schweinerei. Erst stinkt es, dass man niesen muss und dann wird man auch noch mit schwarzem Ruß überzogen.“
„Robert sei lieber froh, dass man dich nicht geröstet hat, bis du so schwarz gebrannt bist. Immerhin können wir uns doch freuen, denn wir haben schon das zweite Hindernis überwunden!“

Sechzehntes Kapitel

„Ja du hast recht Jack, es hätte schlimmer kommen können.“
Es war viel Arbeit, den Ruß aus den Kleidern zu klopfen, aus dem Gesicht zu wischen und vor allen Dingen aus der Bettdecke zu schütteln.
„Endlich ist wieder alles einigermaßen sauber Robert, das ist keine Arbeit für einen Hamster.“
„Sauber? Vom Pudding klebrig, vom Ruß schwarz, wenn das meine Eltern wüssten....was ist denn hier los? Jack sieh nur, wo wir sind!
Wir waren so beschäftigt, dass wir nicht bemerkt hatten, wie sich die Landschaft verändert hat.“
„Huch, hier ist ja nur noch Sand!“, rief auch Jack erstaunt.
„Ja Jack, nichts als roter Sand.“
„Das ist ein so kräftiges Rot hier überall, davon tun einem ja die Augen weh.“
„Jack, wir sind sicher schon in der Wüste des wehenden Sandes.“
„Ja wie gut, dass er nicht weht. Aber da fällt mir ein, ich hab ja für alle Fälle zwei Sonnenbrillen mitgenommen.“ Jack fasste in die Tasche seiner Latzhose und holte sehr dunkle Sonnenbrillen hervor.
Die Brille war eine große Erleichterung. Mit ihr auf der Nase war ich nicht mehr geblendet. Doch dafür sah ich die endlose Weite des Sandmeeres. Aber es sollte noch schlimmer kommen.
„Wie schön Jack, ein frisches Lüftchen weht uns entgegen, das kühlt angenehm die Hitze.“
„Schön, na ich denke, dein frisches Lüftchen wird gleich zu einem Sandsturm. Sieh nur dort drüben, das Dunkle. Das ist alles Flugsand, der bald bei uns sein wird.
Am besten du fliegst ganz flach über dem Boden. Falls wir abstürzen, fallen wir wenigstens nicht so tief.“
Jack machte ein sehr besorgtes Gesicht. „Wir setzten die Ritterhelme auf und schützen uns mit den Schilden gegen den Sand.“
Eigentlich wollte ich ihm noch antworten, doch schon trommelten die ersten Sandkörner gegen den Helm. Bald wurde daraus ein Prasseln, dass es in den Ohren dröhnte.
„Peng, plang, plong“, machte es über uns. Bevor ich überlegen konnte, was eben geknallt hatte, setzten wir unsanft auf den Boden auf.
„Die Bettbezüge, Jack, sie sind geplatzt.“ Doch Jack konnte mich nicht hören, alles ging in dem Lärm des Sandsturms unter.
Ich konnte noch mit ansehen, wie sich der Propeller in den Sand schraubte und mit einem Krachen zersplitterte, dann hielt auch der Motor an.
„Jetzt ist alles aus!“, rief ich. Sehen konnte ich auch nichts mehr, da die Löcher in meinem Helm mit Sand verstopft waren.
Ich weinte leise, weil man ja nie mehr nach Hause fliegen kann, wenn das Flugbett kaputt ist und alles mit Sand überweht wird.
Das Dröhnen in den Ohren ließ nicht nach und ich weinte ganz verzweifelt vor mich hin. Dabei schlief ich wohl ein, denn als ich wieder zu mir kam, war es ganz still.

Siebzehntes Kapitel

Nanu, ich machte für einen Moment die Augen auf, aber ich machte sie schnell wieder zu.
Es gab keinen Zweifel, ich war verrückt geworden und das machte mich sehr unglücklich.  „He Robert, wach auf!“, hörte ich Jacks Stimme.
„Ich bin wach!“, rief ich ohne die Augen zu öffnen. „Aber ich bin verrückt geworden. Bleibst du bitte trotzdem mein Freund, ich weiß nämlich nicht, was ich jetzt machen soll.“
„Aber Robert, was hast du denn, mach doch die Augen endlich auf.“
„Nein, nein, ich traue mich nicht!“
„Na nun mach schon!“
Ich machte sie wirklich kurz auf, aber gleich wieder zu.
„Siehst du Jack, ich bin übergeschnappt. Ich habe eben fünf Jacks gesehen, die mit fünf alten Damen, die alle genau gleich aussehen, Tee trinken. Alle zusammen sitzen auf einer Blumenwiese in einem, in einem, in einem Aquarium. Zwei von den Jacks waren dabei,  hübsche Fische mit Schokoladentorte zu füttern.
Ich hab's gewusst, ich bin verrückt. Ich werde einfach nie mehr die Augen aufmachen.“
„Was hat denn ihr Freund?“, hörte ich die alte Dame fragen, wobei jede der Damen ein Wort sprach. „Kann er mich nicht leiden?“
„Nein, nein, gnädige Zauberin Perlenfein, es ist nur... Er ist sehr schüchtern“, entschuldigte Jack mich.
„Robert, nun komm schon! Du bist sehr unhöflich. Nur weil du mich fünf Mal siehst, bist du noch lange nicht verrückt. Du bist ja schließlich auch fünf Mal da. Aber das gibt dir nicht das Recht, unsere Retterin aus dem Sandsturm zu beleidigen.“
Das war zu viel! Ich und fünf Mal da?
Ich sprang auf und riss die Augen auf. Wirklich, neben mir standen noch vier Roberts, die aufsprangen und sich, nein mich anstarrten. Und das Komische war, ich war irgendwie in allen fünfen auf einmal. Jeder von mir machte nur das, was ich wollte.
„Eigentlich ist das ja ganz prima!“  Ich freute mich, doch nicht verrückt zu sein.
„Ja, aber nun komm schon in das Aquarium, Robert. Es gibt sehr guten Tee und leckere Torte und das Wasser ist auch ganz frisch.“
Ich konnte unmöglich etwas dagegen einwenden, das wäre ja schon wieder unhöflich. So stieg ich schnell über die Leiter, die an dem Aquarium lehnte und sprang ohne zu zögern in das Wasser.
„Jack, das ist ja wundervoll hier und die Seepferdchen und die schönen Blumen!
Oh, Entschuldigung Frau Zauberin. Ich wollte mich natürlich erst vorstellen. Ich bin der Robert und vielen Dank, dass sie uns gerettet haben.“
„Ach das war doch selbstverständlich und gar nicht der Rede wert. Aber nimm dir doch bitte ein Stück Torte, die hab ich ganz frisch selber gezaubert.“
„Mmmm, ja die Torte ist ausgezeichnet, Frau Zauberin Perlenstein.“
„Perlenfein bitte, Robert. Perlenstein ist eine Nichte von mir, aber die meisten Leute nennen sie Schneekönigin.
Sie hat einen sehr schlechten Ruf, daran sind nur wieder diese Märchen schuld. Du kennst sie wohl?“
„Nein! Entschuldigung bitte, ich habe mich nur versprochen. Ich möchte ja nicht unhöflich sein, Frau Zauberin Perlenfein, aber ihr Tee schmeckt ein bisschen dünn.“
„Nein Robert, ich hab dir doch noch gar keinen Tee eingeschenkt. Was du da trinkst, ist das Wasser, das hier überall ist. Gib mir bitte einmal deine Tasse, ich schenke dir gleich etwas ein. Und du kannst auch ruhig du zu mir sagen und mich nur Perlenfein nennen. Wir wollen doch Freunde werden, oder?“
„Ja natürlich!“, riefen wir aus zehn Mündern, wovon fünf Jack gehörten.
Jack stopfte sich eine Pfeife und wollte sie wohl auch gerade anzünden, als ihm einfiel, dass man unter Wasser ja nicht rauchen kann.
„Du kannst ruhig rauchen“, sagte Perlenfein und lächelte. „Immerhin bist du bei einer Zauberin zu Gast und da ist fast alles möglich.“
„Dein Tee ist ausgezeichnet, Perlenfein. Aber bitte erkläre mir doch, warum wir alle fünfmal da sind?“
„Ihr seid fünfmal da, weil ich hier immer so allein war. Da hab ich einen großen, schweren Zauber gemacht, der jeden, der in meinen Zauberturm kommt, verfünffacht.
Wenn ich allein hier bin, kann ich mich wenigstens mit meinen fünf gleichen Teilen unterhalten.“
Jack und ich fanden, dass das eine sehr gute Idee war und aßen genüsslich unsere Torte.
„Jack hat mir schon alles über euer Abenteuer erzählt ,Robert und auch, dass ihr jetzt auf dem Weg seid, die Prinzessin der Schnatterschnäbel zu befreien. Ich will euch gerne dabei helfen, soweit es in meiner Macht steht.“
„Oh das ist aber sehr lieb von ihnen, äh, von dir. Was ist eigentlich aus meinem Bett geworden, Jack? Ich glaube, es wäre nicht so gut, wenn ich ohne Bett nach Hause käme. Dann müsste ich immer in der Badewanne schlafen.“
„Da brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Perlenfein hat es hier her gezaubert und wir haben es schon zusammen repariert, als du noch geschlafen hast.
Perlenfein war sogar so nett und hat die zerplatzten Bettdeckenbezüge durch ihre eigenen ersetzt.“
„Das ist ja großartig!“, rief ich, und fiel allen fünf Perlenfeins auf einmal um den Hals.
Perlenfein war ganz verlegen. „Das ist doch ganz selbstverständlich, dass ich euch ein bisschen geholfen habe. Immerhin hat seit 200 Jahren niemand mehr versucht, irgendeine Prinzessin zu befreien. Ich bin doch froh, wenn mir jemand die lange Weile vertreibt.
Allerdings haben die Bettbezüge kein Blumenmuster. Ich kann leider nur den Zauberspruch für Bettbezüge mit Sternmuster.“
„Ach Perlenfein, du bist die beste Zauberin, die ich kenne. Und welches Muster die Bezüge haben, ist doch nicht so wichtig. Hauptsache wir können wieder fliegen.“
Wir bedankten uns herzlich bei der guten Zauberin und stiegen wieder aus dem Aquarium.
„Nanu Perlenfein, wir sind ja gar nicht nass!“, rief ich verwundert.
Perlenfein lachte nur, und sagte: „Da wäre ich ja eine schlechte Zauberin, wenn meine Gäste nach einer Teerunde klatschnass nach Hause gehen müssten.“
„Du musst dich wirklich erst noch an die Zauberei gewöhnen. Vor allen Dingen, darf man sich nie über etwas wundern, Robert“, gab Jack seinen Senf dazu.
Wir gingen durch den großen buntverzierten Saal, in dem das Aquarium stand und kamen an eine Tür.
Hinter der Tür lag ein großer Balkon, auf dem unser Bett schon startbereit stand.
Kaum waren wir auf dem Balkon, so wurden aus uns 15 Personen wieder drei.
„Schön, dass ich wieder nur einmal da bin, findest du nicht auch Jack?“
„Ja, denn wenn wir noch zu zehnt wären, würden wir nicht alle auf das Bett passen.“
Perlenfein hatte sich verändert. Sie hatte jetzt einen langen spitzen Hut auf, der über und über mit Sternen glänzte. Ein weiter glitzernder Mantel umhüllte sie, auf dem viele eigenartige Zeichen waren.
Sie sah auf einmal ernst aus. Man konnte richtig Angst vor ihr bekommen.
„Ich werde euch bis zum Fuße des schwebenden Berges zaubern“, sagte sie. „Da es zu gefährlich ist, über die Wiese der fliegenden Spinnen zu reisen. Leider kann ich nicht mehr für euch tun. Wie ihr zurück kommt, müsst ihr leider selber sehen. Ich bin zwar eine sehr mächtige Zauberin, aber dorthin begleiten darf ich euch nicht.
Also alles Gute, und wenn ihr es schaffen solltet hierher zurückzukommen, dann besucht mich bitte und berichtet mir, wie es euch ergangen ist.“
Die Zauberin hatte eine Träne in den Augen und wir wollten uns gerade noch einmal für alles bedanken. Aber sie hob ihren Zauberstab und wir wurden blitzschnell weggetragen.
Der starke Fahrtwind pfiff uns um die Ohren. Einen Augenblick sahen wir noch den Zauberturm. Er war in die Krone eines riesigen Baumes gebaut.
Doch schon verschwand er in der Ferne.

Achtzehntes Kapitel

Die Fahrt wurde immer schneller. Wir sahen nur noch Punkte und Streifen an uns vorüberfliegen und schon war es vorbei.
Mir drehte sich alles vor Augen und Jack torkelte aus dem Bett.
„War` ne tolle Fahrt, was Robert?“ Mit diesen Worten kippte er nach hinten um und verdrehte die Augen.
Ich wollte gleich zu ihm hinspringen und ihm wieder aufhelfen. Da wurde mir auch schwindelig und ich fand mich neben Jack im Sand wieder.
Wir sahen uns ganz bedeppert an und mussten, obwohl es uns so schlecht war, darüber lachen.
Zum Glück ging es uns nach einer Weile wieder gut und wir standen auf wackligen Beinen, als würden wir auf Pudding laufen.
„Jetzt müsste hier doch irgendwo der schwebende Berg des Drachen sein oder nicht Jack?“
„Ja, ich sehe mich auch schon die ganze Zeit danach um. “
„Hoffentlich hat unsere gute Perlenfein nicht falsch gezaubert und wir sind jetzt woanders gelandet, als wir wollten?“
„Du hast wieder kein Vertrauen in die Zauberei, Robert. Aber ein bisschen aufgeregt war sie und sie ist ja auch nicht mehr die Jüngste. Hoffentlich behältst du nicht recht.“
„Was hatte sie doch gleich zum Abschied gesagt, Jack? Ach ich habe es wieder, - ihr werdet am Fuße des schwebenden Berges landen -.
Also müsste der Berg.... huch Jack, Jack sieh mal schnell nach oben! Wir sind hier goldrichtig, nur dass wir nicht am Fuße des Berges sind, sondern genau unter ihm.“
„Au Hamsterbacke, der schwebt ja wirklich und auch noch über unseren Köpfen. Ich dachte, dass wäre nur so ein Name. Uh, ich hab so ein erdrückendes Gefühl.
Komm wir fliegen schnell unter dem Berg hervor, bevor er sich auf die Erde setzt, wie alle anderen Berge auch.“
„Meinst du Jack, das könnte er machen?“
„Weiß ich nicht, aber ich werde nicht lange warten. Immerhin wollen wir hier die Prinzessin befreien. Wir sind lieber vorsichtig.“
Wir flogen schnell los, aber wir brauchten eine ganze Weile, bis wir wieder unter freiem Himmel waren. Der Berg war ganz schön dick.
„Mensch Jack, der ist nicht nur breit, das ist auch noch ein riesig hoher Berg.“
„Ja, ein riesig, riesig hoher Berg, der reicht bis über die Wolken.“
„Also eins ist sicher, Jack: So ein alter Quitschedrachen, wie er uns begegnet ist, wohnt bestimmt nicht da oben. Der hatte ja keine Flügel und wäre nicht auf den Berg gekommen. Der Drache, der da wohnt, ist bestimmt viel größer und schrecklich gefährlich!“
„Du willst wohl lieber nach Hause Robert, was?“
„Ja, ob der Drache uns nun noch frisst oder nicht, das hilft der Prinzessin auch nicht weiter!“
Da warf Jack seine Mütze auf die Bettdecke und schrie aus voller Kehle:
„Und was wird aus meinem Festessen, Robert? Du glaubst doch nicht etwa im Ernst, dass weil Robert plötzlich keine Lust mehr hat, ich auf mein Festessen verzichte?“
„Jack, es tut mir schrecklich leid. Wir werden natürlich die Prinzessin befreien. Mir wird schon ganz schlecht vor Angst, wenn ich nur daran denke. Aber bitte schrei nicht wieder so.
Jack war wieder versöhnt, da er sich seines Festessens schon sicher war. Es ist gut, dass wenigstens Jack mutig ist, dachte ich.
„Also: Zuerst ziehen wir unsere Rüstungen an. Man kämpft immer in einer Rüstung gegen Drachen. Der Drache würde es unhöflich finden, wenn wir ohne kämen.“
„ Mit so einem alten Suppentopf, äh ich meine natürlich Ritterhelm, komme ich mir gleich viel sicherer vor. Dass kommt daher, dass ich durch die kleinen Gucklöcher nicht so viel von den schrecklichen Sachen sehen kann.“
„Du fliegst nach meinem Kommando. Ich werde mit der Pfannkuchenschleuder dem Drachen Pfannkuchen in das offene Maul schießen, wenn er es aufmacht, um nach uns Feuer zu spucken.“
„Warum willst du den Drachen füttern, Jack? Ich dachte, wir würden gegen ihn mit unseren Gummischwertern kämpfen?“
„Du kannst doch nicht mit ein paar Gummischwertern gegen einen Drachen kämpfen! Die haben wir doch nur mit, weil, weil, na weil ein Ritter halt immer so ein Schwert mit hat. Ich weiß doch auch nicht, was die früher mit den Dingern angefangen haben.
Du wolltest wissen, warum ich dem Drachen die Pfannkuchen in das Maul schießen will und nicht vor den Kopf?
Du musst dir vorstellen, du wärst ein ärgerlicher Drachen, und ich würde dir Pfannkuchen vor den Kopf ballern. Würdest du dich dann ergeben?“
„Ich weiß nicht recht, Jack.“
„Nein, natürlich nicht. Du würdest noch ärgerlicher werden. Nicht weil sie dir weh tun, nein Pfannkuchen sind ja weich. Aber die Marmelade verklebt deine schönen Drachenschuppen. Außerdem fallen die Pfannkuchen in den Schmutz und wenn du sie fressen willst, hast du den Dreck zwischen den Zähnen und sie schmecken nicht.“
„Ach so, da freut sich der Drachen, weil wir sie ihm gleich ins Maul schießen und gibt freiwillig die Prinzessin heraus, ja?“
„Natürlich nicht oder würdest du mich gegen ein paar Pfannkuchen eintauschen?“
„Wenn es ganz frische, leckere...äh nein.“
Jack sah mich sehr ärgerlich an, erklärte dann trotzdem weiter. „Also von den vielen Pfannkuchen, die wir dem Drachen in das Maul schießen, wird er ganz satt, zufrieden und faul. Jetzt wird es nicht mehr so gefährlich sein, näher an ihn heran zu fliegen. Du wirst dann die Wasserpumpe bedienen und ich werde mit der Spritze dem Drachen, wenn er von den vielen Pfannkuchen rülpsen muss, das Wasser genau in den Hals spritzen.“
„Warum machst du das?“
„Es ist doch ein feuerspeiender Drache, Robert. Wenn ich das Wasser in ihn hinein spritze, dann geht sein Feuer aus und er kann uns nichts mehr tun. Dann fliegen wir noch dichter heran, nehmen den Klebstoff und leimen ihm die Beine am Boden fest. Und was machen wir dann?“
„Dann isst du die restliche Munition auf und ich suche die Prinzessen, Jack.“
„Genauso machen wir es. Du bist wirklich sehr klug Robert!“

Neunzehntes Kapitel

Mit dem Helm auf dem Kopf und seiner darauf gebundenen Mütze sah Jack richtig gefährlich aus.
Ich flog unser Flugbett steil den schwebenden Berg hinauf, dessen Spitze immer noch in den Wolken steckte. Der schwebende Berg war schwarz und glänzte.
Endlich flogen wir durch die silberne Wolkendecke hindurch, doch was war das?
„Jack, sieh nur! Siehst du dasselbe wie ich?“
„Ich weiß nicht recht, aber was ich sehe, ist mehr als merkwürdig.“
Es war auch seltsam, was dort auf dem Berg stand. Direkt vor uns war das Eingangstor zu einer Burg. Daneben stand einer der zwei Burgtürme. Unten war er noch ein normaler Burgturm, doch statt eines Daches lag auf ihm ein riesiger Rodelschlitten, von dessen Sitzbrett eine Strickleiter herunter in den Turm hing.
Der zweite Turm auf der anderen Seite des Burgtors war eigentlich gar kein Turm, sondern ein großer Fisch, der halb aus der Erde ragte und uns schlecht gelaunt anglotzte.
Hinter dem Burgtor stand schräg eine riesengroße Gabel. An ihrer äußeren Zinke wehte eine Fahne mit einem blauen Drachen darauf.
„Das kann nur die Burg des Drachen sein, Robert.“
Ich flog höher, damit wir in die Burg hineinsehen konnten. Wir schwebten direkt über dem Burghof, als wir es quietschen hörten.
„He Jack, wo kommt denn das her? Der Burghof ist doch leer.“
„Ich glaube, das kommt von unten. Es scheint so, als würde es zu uns hochfliegen.
Am besten, du fliegst noch höher, dann sieht man uns nicht. Ich könnte wetten, dass das der Burgherr ist.“
Ich flog schnell noch einmal steil nach oben, gerade so hoch, dass wir noch alles gut erkennen konnten, was in der Burg vor sich ging.
Das Quietschen wurde immer lauter und aus der Wolkendecke tauchte...
„Robert, das ist doch dein Freund der Quietschedrache, dem du nicht guten Tag sagen wolltest. Und was er für schöne Schmetterlingsflügel hat.“
Es war wirklich der Quitschedrache und beim Fliegen bewegte er alle seine Beine, immer eins nach dem anderen, als könne er durch die Luft laufen.
„Mit den Schmetterlingsflügeln sieht er richtig niedlich aus, findest du nicht Jack?“
Der Drache landete auf dem Sitz des Rodelschlittens.
„Seifenbläschen, das ist aber schön, dass du schon nach Hause kommst. Ich bin gerade mit dem Essen fertig“, hörte man eine zarte Stimme aus dem Innern des Turmes rufen.
„Hast du gehört Robert, es gibt was zu essen. Wir werden schnell den Drachen besiegen und dann mit der Prinzessin, die da eben gerufen hat, das Mittagessen des Drachen auffuttern, ja?“
„He Jack, hast du nicht gehört, dass die Prinzessin sich freut, dass der Drache schon da ist. Wie nett sie ihn gerufen hat, das macht man doch nicht, wenn man gefangengehalten wird. Bestimmt mag sie den Drachen gern und wir können doch nicht einfach gegen ihn kämpfen, wenn sie ihn so lieb hat.“
„Ach was, wenn sie ihn gerne hat, wird sie gar nicht mitkommen. Wenn sie nicht mitkommt, bekomme ich kein Festessen.
Wir kleben schnell den Drachen fest und nehmen die Prinzessin mit, ob sie nun will oder nicht!“
„Aber du kannst sie doch nicht einfach rauben Jack. Ich dachte immer du hättest ein gutes Herz und jetzt und jetzt...“
„Robert, du weinst ja. Ich habe es doch nicht so gemeint. Es ist doch nur wegen dem Fest... aber lassen wir das.
Da, da, was ist das? Sieh nur Robert! Da, da unten, der Drache...“
Jack machte ein so erschrockenes Gesicht, dass ich gleich meinen Kummer vergaß und mich schnell umdrehte.
„Warum nebelt sich denn der Drache ein?“
Doch bevor Jack etwas antworten konnte, machte es „Plong“ und der Rauch verzog sich langsam.
„Jack, Jack, wo ist denn nur der Drachen hin und wo kommt auf einmal der schwarze Hamster mit den langen Hasenohren her?“
„Also Robert, das hätte ich nun doch nicht gedacht! Der Drache hat sich gerade in einen Hamster verwandelt. Da ist ein Kumpel in der Gegend und mit so schönen langen Ohren. Flieg schnell in den Burghof, wir wollen ihn gleich begrüßen!“

Zwanzigstes Kapitel

„Aber warte doch einmal Jack, wenn der Hamster da unten der Drache war, dann hat er doch die Prinzessin geraubt. Wenn er uns sieht, verwandelt er sich bestimmt wieder in etwas ganz Gefährliches und frisst uns auf.“
„So ein Unsinn, Robert! Hamster fressen vielleicht Himbeereis und Schokoladenpudding, aber doch keine kleinen Kinder und schon gar nicht ihre Kumpels!
Nun flieg schon nach unten. Ich kann es kaum erwarten, mich endlich einmal wieder von Hamster zu Hamster zu unterhalten.“
Doch da rief wieder die Prinzessin mit ihrer zarten Stimme: „Seifenbläschen, wo bleibst du denn? Das Essen wird doch kalt. Es gibt dein Lieblingsessen, Spinat mit Spiegelei.“
„Pinscheschen isch komme!“, rief der schwarze Hamster zurück und kletterte behänd die Strickleiter hinunter.
Als er im Innern des Turms verschwunden war, sagte ich zu Jack: „Du hast doch recht gehabt. Es scheint wirklich ein sehr netter Hamster zu sein“, und ich flog schnell nach unten.
„Ich hab überhaupt nicht Recht gehabt!“, fuhr mich Jack an. „Im Gegenteil, ich habe mich geirrt. Das ist weder ein Kumpel, noch ein Hamster. Das ist sicher ein ganz mieser Drache, der nur so tut, als wäre er nett.“
„Aber wie kommst du denn darauf, Jack? Du warst doch eben noch ganz anderer Meinung, und konntest es gar nicht abwarten zu ihm zu kommen?“
„Eben wusste ich ja auch noch nicht, dass dieser Möchtegernhamster kein Hamster ist.“
Jack sah ganz verärgert aus und schwang vor Wut sein Gummischwert.
„Woher weißt du denn auf einmal, dass er kein Hamster ist?“
„Spinat“, sagte Jack nur und verdrehte wild die Augen, fasste sich an den Bauch und mit einem „Äääähhhhks“ wäre er mir beinahe aus dem Bett gekippt.
„Jack, du sollst doch nicht den Spinat essen, den der schwarze Hamster so gerne isst.“
„Das ist es ja Robert! Es gibt keinen Hamster auf der ganzen Welt, der es fertig bringen würde Spinat zu essen!“
„Na dann ist der Hamster dort unten eben eine Ausnahme“, wendete ich ein.
„Unmöglich!“, sagte Jack bestimmt. „Es gibt ja auch keinen kleinen Jungen, der als Ausnahme am liebsten Schuhcreme isst, oder?“
Jack hatte mich wieder einmal überzeugt, doch da landeten wir schon im Innenhof der Burg neben der schrägen Gabel.
„Was machen wir denn jetzt?“, fragte ich Jack, der schon richtig wütend war.
„Da denkt man nun, man findet einen Kumpel in der Fremde und dann muss man feststellen, dass es nur ein Hochstapler ist.
Was wir machen, das kann ich dir sagen, Robert. Wir werden die Prinzessin aus den Klauen dieses Möchtegernhamsters befreien.“
„Aber Jack, sie waren doch so nett zu einander. Ich glaube nicht, dass die Prinzessin gefangen gehalten wird!“
„Ach was, papperlapapp, wer Spinat“,  und Jack schüttelte sich „gerne isst, der kann nur schlecht sein. Das ist alles nur Verstellung. Die Prinzessin wird gefangen gehalten und damit basta.“
Jack schien Recht zu haben, denn Spinat ist wirklich etwas ganz Abscheuliches.
Doch es blieb keine Zeit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, denn die Tür wurde geöffnet.
Die langen Hasenohren des schwarzen Hamsters schoben sich ein Stück heraus.
„Na warte, gleich kannst du was erleben, du scheinheiliger Spinathamster!“ Mit diesen Worten spannte Jack den Gummi der Pfannkuchenschleuder und legte einen dicken Pfannkuchen hinein.
Der schwarze Hamster trat gerade aus der Tür und sah uns mit großen erschrockenen Augen an. Endlich stotterte er:
„Wach, wasch wollt ihr von mir?“
„Verstell dich nicht!“, rief Jack mit schrecklicher Stimme. „Wir sind gekommen um die Prinzessin zu befreien, du alter Quietschedrache, jetzt geht es dir an den Kragen!“ Er schoss einen Pfannkuchen nach dem anderen auf den verängstigten schwarzen Hamster, dass diesem die Marmelade von den langen Hasenohren herunter lief.
Nach einer Weile schien er sich zu besinnen, sprang mit drei langen Sätzen auf die schräge Fahnenmastgabel zu und schon hockte er zitternd hinter ihren Zinken.
Er war so überraschend weggesprungen, dass Jack noch einen Pfannkuchen in die Richtung schoss, wo der Hamster eben noch gestanden hatte.
„Jack, nicht die Prinz...!“
Doch es war schon zu spät, der Pfannkuchen flog bereits durch die Luft, die Tür ging auf und und...
„Oh je! Du hast die Prinzessin genau vor den Schnabel getroffen:“
Die Marmelade tropfte von der zierlichen Krone und ich verschwand unter der Bettdecke.
„Ihhhh!“, schrie die Prinzessin und wurde knallrot vor Wut. „Das hat noch keiner gewagt! Was hast du mit meinem armen Seifenbläschen gemacht? Oh, na warte!“, und schon sprang sie auf Jack zu, der sich vor Schreck nicht rühren konnte. Immerzu stammelte er: „Ich wollte doch nicht, ich wollte doch nicht!“
Doch schon war die Prinzessin bei ihm und zupfte und raufte ihm das Fell.
„Oh je, oh wei, ohjemine!“, schrie Jack und sprang aus dem Bett. Er rannte so schnell er nur konnte, um die Prinzessin abzuhängen, doch sie war ein Schnatterschnabel und hatte sechs Beine mehr als der arme Jack.
Auch wenn er noch so schnell rannte, die Prinzessin war immer dicht hinter ihm um ihn zu ziepen und zu kneifen.
Erst als er zwischen seinen Schmerzensschreien erklären konnte, dass wir sie ja nur vom Drachen befreien wollten, hörte sie endlich auf, Jack am Fell zu ziehen.
„Und du willst meinem lieben Seifenbläschen auch bestimmt nichts mehr tun?“, und dabei kniff sie Jack noch einmal ganz derb in sein Ohr.
„Aber nein, aber nein!“, beeilte sich Jack zu sagen.
Jetzt war die Prinzessin wieder versöhnt und Jack strich sich sein Fell glatt, das ganz zerzaust war.
Vorsichtig tauchte ich unter meiner Bettdecke auf und nahm meinen Ritterhelm ab.
„Na, dann kommt mal herein!“, rief die Prinzessin und ging in den Turm mit dem Rodelschlitten als Dach.
Schüchtern folgten wir ihr und Jack sah mich vorwurfsvoll an, als könne ich etwas dafür, dass er Prügel bezogen hatte und ich nicht.
„Was für eine schöne Einrichtung, und wie originell“, hörte ich Jack loben, der vor mir in den Turm eintrat.
Ich war sprachlos und konnte nur staunen. Die Hälfte der Möbel klebte an der Decke und war vollkommen unerreichbar. Zum Glück stand ein breites Sofa auf dem Fußboden und wir setzten uns darauf.
Nach einer Weile kam auch schüchtern Seifenbläschen herein, der Jack ängstlich anäugte.
„Wie kannst du als Hamster Spinat essen?“, fuhr ihn Jack barsch an.
„Isch weisch ausch nischt, warum isch scho gerne Spinat esche“, gab Seifenbläschen leise zur Antwort. „Aber isch bin kein Hamschter, ausch wenn isch scho auschschehe, isch bin nämlisch ein Schauberer“, fuhr Seifenbläschen fort und sah noch ängstlicher zu Jack, als könne ihm dieser wieder etwas an den Kopf werfen.
„Es tut mir sehr leid, dass wir euch zu unrecht mit Pfannkuchen beschossen haben. Ich entschuldige mich dafür. Es war ja nur, weil wir dachten, du wärst ein gefährlicher Drache.“
Ich stieß Jack in die Seite und er verstand auch gleich.
„Äh, ja, es tut auch mir leid. Entschuldigung!“ rang er sich ab. Es fiel ihm sichtlich schwer, da sein Fell immer noch weh tat.
Jetzt war endlich aller Ärger vergessen und auch Seifenbläschen war uns nicht mehr böse.

Einundzwanzigstes Kapitel

Ich erzählte der Prinzessin Pelagonie und dem Zauberer – Hamster Seifenbläschen unsere Abenteuer mit dem Flugbett und wir lachten über die erste Begegnung mit dem Quitschedrachen. Sogar Jack war wieder vergnügt und ich traute mich zu fragen: „Hast du nicht Lust mit uns mit zu kommen, Prinzessin Pelagonie? Dein Vater, der König, macht sich solche Sorgen um dich und weint immerzu!“
„Oh mein armer Papa!“, rief die Prinzessin aus und dicke Tränen rannen aus ihren acht Augen.
Auch Seifenbläschen hatte Hamstertränen in den Augen. „Isch werde disch nie vergeschen!“, und dabei weinte er herzzerreißend. „Du kannscht ruhig mitgehen“, sagte er mit zitternder Stimme.
„Aber dann würden wir uns ja nie wiedersehen, mein liebes Seifenbläschen“, schluchzte die Prinzessin und fiel dem schwarzen Hamster um seinen weichen Hamsterhals, wobei sie seine Hasenohren streichelte.
„Ich verstehe überhaupt nichts mehr!“, rief Jack. Und so ging es mir auch.
„Könnte mir bitte einmal einer erklären, warum auf einmal alle heulen? Seifenbläschen kann doch auch mit zum König kommen. In unserem Bett ist doch auch Platz für vier. Warum wollt ihr euch nie wiedersehen? Ihr kommt gefälligst mit zum König, dann wird geheiratet und ihr seid glücklich bis an euer Lebensende, klar?“
Jack hatte sich sehr ereifert und war ziemlich laut geworden. Pelagonie und Seifenbläschen sahen ihn jetzt verwundert an. Seifenbläschen nahm sich ein Herz und versuchte Jack zu erklären: „Esch ischt dosch nischt scho, dasch isch nisch heiraten will, isch würde nischt lieber tun!“
„Aber sie will dich nicht heiraten?“, fragte Jack streng und sah dabei zur Prinzessin.
„Doch ich will ihn unbedingt heiraten!“, rief sie schnell.
Jack griff sich an den Kopf und kratzte sich verwundert hinter den Ohren. „Na warum heiratet ihr dann nicht?“
„Isch bin ein Hamschter“, sagte Seifenbläschen verlegen. „Pelagonies Vater, der Könisch  würde nie erlauben, dasch scheine Tochter, eine Prinscheschin, einen Hamschter heiratet.“
„Was soll das heißen?“, schrie Jack außer sich vor Empörung. „Ein Hamster ist das vornehmste Wesen, das es überhaupt gibt!“
„Da hascht du schon Rescht“, lenkte Seifenbläschen schnell ein. „Esch ischt ja ausch nur wegen meiner Haschenohren und meinem schwarschen Fell.“
„Aber vorhin hast du doch gesagt, du wärst gar kein Hamster, du wärst ein Zauberer, Seifenbläschen“, fiel mir ein. „Warum verwandelst du dich dann nicht in deine richtige Gestalt zurück?“
„Ja genau“, sagte Jack verwundert.
„Isch bin ausch ein Schauberer!“, rief Seifenbläschen unter Tränen. „Aber weil isch scho nuschel, werde isch immer ein schwarscher Hamschter mit Haschenohren, wenn isch misch zurückverwandeln will. Dursch dasch Nuscheln spresche isch immer alle Schauberschprüsche falsch ausch und isch schaubere wasch anderesch alsch isch will.
Isch bin schon schehn Jahre ein schwarscher Hamschter. Isch kann scho die Prinscheschin nischt heiraten und weil wir unsch dosch scho lieben, schind wir schuschammen geflohen.“
„Ja, und damit mein Vater nichts merkt, hat sich Seifenbläschen in einen Drachen verwandelt und wir haben so getan, als würde er mich rauben“, fügte Pelagonie hinzu.
„Mir ischt einfasch allesch schief gegangen beim Schaubern“, fuhr Seifenbläschen fort. Und er berichtete uns von seinen Missgeschicken.
Als er eine Rosenhecke um seine Burg zaubern wollte, wurde die Schlucht der stinkenden Schlünde daraus. Statt eines Obstgartens entstand die Wüste des wehenden Sandes und die Wiese der fliegenden Spinnen sollte eigentlich der Schlosspark werden, in dem Vögel singen. Na und das die Möbel an der Decke kleben, war natürlich auch keine Absicht. Selbst der schwebende Berg schwebt nur, weil kurz vor dem Erdboden plötzlich der Zauber zu ende war.
„Sag mal, mit den Grunzern hast du aber nichts zu tun, oder?“
„Nein Robert, an allem Böschen bin isch ja nun ausch nischt schuld, die Grunscher gab esch schon immer!“
„Weißt du was mir da eben für eine Idee kommt, Robert?“, rief Jack plötzlich neben mir erfreut. „Unsere Freundin Perlenfein hat uns doch eingeladen, sie auf dem Rückweg zu besuchen.“
„Ja, das ist sehr schön Jack, aber wir wollen doch der Prinzessin und Seifenbläschen helfen, und nicht im Aquarium Tee trinken!“
„Aber Robert, was du wieder von mir denkst. Wir nehmen unsere zwei unglücklichen Freunde natürlich mit zu Perlenfein. Sie ist doch eine so große Zauberin und sie wird uns bestimmt den Gefallen tun und Seifenbläschen wieder in seine richtige Gestalt verwandeln.“
„Oh ja Jack, das ist eine wundervolle Idee. Jetzt wird alles gut.“
„Nein Robert, wundervoll ist, dass die Prinzessin und Seifenbläschen mit zum König kommen können und wir dann zwei Festessen haben werden. Das erste, wenn wir Pelagonie ihrem Vater, dem König wiederbringen und das zweite, wenn Seifenbläschen die Prinzessin heiratet.
Ihr werdet doch ein Festessen zu eurer Hochzeit geben?“, fragte er streng Seifenbläschen.
„Ja, aber ja! Isch freue misch ja scho, dasch hätte isch nie gedascht, du bischt der Gröschte, Jack!“

Zweiundzwanzigstes Kapitel

Die Prinzessin sagte gar nichts, sondern fiel Jack überglücklich um den Hals und gab ihm einen dicken Kuss.
„Wir müssen doch noch etwas essen, bevor wir losfliegen!“, rief die Prinzessen, und wollte gerade Spinat holen.
„Lieber nicht, Pelagonie!“, rief ich. „Sonst wird Jack sehr böse, bei Spinat hört bei ihm der Spaß auf.“
„Ja, aber was machen wir denn da jetzt?“, fragte sie verstört. „Ich habe kein anderes Essen im Haus.“
„Isch werde unsch schnell wasch schönesch schu eschen schaubern!“
„Oh je!“, sagte Jack, doch er konnte Seifenbläschen nicht mehr davon abhalten, der schon wild Zaubersprüche nuschelte, die damit endeten:
„Feschttafel schnell herbei!“
Es rauchte, es stank. Es blitzte, es knallte und schon war, war... ein riesiger Kleiderschrank da.
„Wie schön!“, rief ich schnell, aus Furcht, dass Seifenbläschen wieder traurig werden könnte. „Den legen wir auf seine Türen und auf der Schrankrückwand können wir dann prima essen.“
Doch wer jetzt glaubt, dass Seifenbläschens Zauberlust damit überstanden sei, der irrt sich gewaltig. Denn er nuschelte schon wieder Zaubersprüche, die diesmal damit endeten: „Schweinebraten schnell herbei!“
Es blitzte, es rauchte und, und ein Schweine..., ein Schweine..., nein, ein dickes Schwein stand auf dem Schrank.
„So eine Schweinerei!“, rief das Schwein und rannte in den Hof.
Seifenbläschen störte sich nicht an dem Misserfolg und wollte gleich wieder zaubern, doch da sagte ich: „Nein, es ist schon gut, wir müssen erst einmal unsere Munition essen, die wird sonst schlecht.“
„Genau“, sagte Jack erleichtert.
Ich holte schnell die Pfannkuchen und wir ließen sie uns zusammen schmecken.
Satt und zufrieden besprachen wir mit Seifenbläschen die Einzelheiten unserer Reise, während die Prinzessin ihre Sachen packte.
„Also!“, sagte Jack zu Seifenbläschen. „Das größte Hindernis wird wohl die Wiese der fliegenden Spinnen werden, denn ich habe noch keine Idee, wie wir da heil durchkommen könnten.“
„Puh, fliegende Spinnen! Das kann ja heiter werden!“, rief ich. „Ich hab ja nichts gegen Spinnen, aber wenn sie durch die Luft fliegen und alles voller klebriger Netze ist, fürchte ich mich schon!“
Jack stieß mich an und zog den Kopf ein, wobei er ein ängstliches Gesicht machte und sich nach allen Seiten umsah. Mir wurde ganz bang, denn Seifenbläschen nuschelte neben uns schon wieder Zaubersprüche.
„Gleich knallt und stinkt es wieder, Robert“, flüsterte mir Jack ins Ohr. Doch nichts passierte.
„Scho, dasch hätten wir. Jetscht brauscht ihr keine Angscht mehr vor den fliegenden chpinnen schu haben. Isch habe schie eben verschaubert.“
„Das ist ja prima Seifenbläschen, aber in was hast du sie denn verzaubert?“, fragte Jack.
„Woher scholl isch denn dasch wischen, wir werden unsch halt überraschen laschen.“
„Aber was hast du denn für einen Zauberspruch gesprochen?“, wollte ich erfahren.
„Nasch dem Schaubersprusch hätten schie schich in einen Rieschenpitscha verwandeln müschen, hi, hi, aber isch glaube kaum, dasch dasch geklappt hat. Dasch wäre dasch erschte Mal, dasch mir ein Schauber gelingt.“
„Na hoffentlich gibt es jetzt nicht statt fliegender Spinnen, fliegende Walfische!“, meinte Jack etwas verdrießlich.
„Ach Jack, das werden wir ja dann sehen, mal doch nicht schon vorher den Walfisch in die Pizza. Lass uns lieber endlich losfliegen, ja?“
„Ja, ich bin auch schon mit Packen fertig!“, hörte man Prinzessin Pelagonies Stimme aus dem Nebenzimmer, aus dem sie gerade einen riesigen schwarzen Lederkoffer hereinschleppte.
Wir gingen in den Hof und Jack wollte gerade Seifenbläschen seinen Platz in der Mitte der Matratze zuweisen. Da stand neben ihm der Quitschedrachen und blies Jack eine pechschwarze Wolke ins Gesicht.
„Scho habt ihr mehr Platsch und Pelagoniesch groschen Koffer hätte ja doch nischt mehr in euer Bett gepascht.“
Da hatte Seifenbläschen recht und ich half der Prinzessin auf den Rücken des Drachen, wo sie einen sehr bequemen Platz hatte.
Jack drückte den Koffer Seifenbläschen in das Drachenmaul und schon ging es los.
Wir flogen nebeneinander her.
Bald verschwand die Zauberburg und der schwebende Berg hinter dem Horizont. Es war ein sehr schöner Flug. Ich musste nur darauf achten, dass ich nicht den Schmetterlingsflügeln des Quietschedrach...äh, ich meine natürlich, Seifenbläschens, in die Quere kam.
Jack erzählte zur Unterhaltung Witze. Ein Witz war so komisch, dass Seifenbläschen vor Lachen um ein Haar den Koffer aus seinem Drachenmaul verloren hätte.
Doch dann wurde auch Jack ernst, denn wir nährten uns der Wiese der fliegenden Spinnen.
Nur Seifenbläschen machte sich allem Anschein nach keine Sorgen. „Jetscht müschten wir gleisch schehen, in wasch isch die Schpinnen verwandelt habe“, nuschelte er mehr als sonst, da er ja auch noch den Griff des Koffers im Mund hielt.
„Da, da vorne kann man schon was sehen!“, rief die Prinzessin. Und da erkannten wir auch, was sie meinte. Von weitem sah es tatsächlich wie eine riesige Riesenpizza aus.
„Dasch kann dosch wohl nischt schein, dasch mal ein Schauber funkschoniert hat?“
„Oh Pizza!“, freute sich Jack, der schon wieder ans Essen dachte.
Aber leider wurde er bald enttäuscht.
Was eben noch aussah wie eine Pizza, war ein großer Teich, in dem unzählige Klaviere schwammen und traurig vor sich hin klimperten.
„Na eine Pitscha ischt esch gerade nischt geworden, aber dasch schieht doch auch gansch nett ausch.“
„Das hast du wirklich prima hingekriegt!“, lobte ich Seifenbläschen. Ich war unheimlich froh, dass er tatsächlich die fliegenden Spinnen verwandelt hatte.
Nur Jack war sichtlich enttäuscht, aber er sagte natürlich nichts. Besser ein Pizzaessen verpassen, als Essen für fliegende Spinnen sein, oder?
Wir flogen noch eine lange Zeit vergnügt nebeneinander her, bis in weiter Ferne der Turm unserer guten Zauberin Perlenfein auftauchte.

Dreiundzwanzigstes Kapitel

 Bald schwebten wir schon zu Füßen des riesigen Baumes, auf dem der Zauberturm stand.
Wir flogen schnell an dem Stamm empor, bis wir auf dem Balkon des Turmes landen konnten.
„Ich habe noch nie einen so hohen und so dicken Baum gesehen, Jack!“, rief ich begeistert.
„Ja, Robert, so große Bäume kann man auch sicher nur zaubern. Klopf doch bitte an die Balkontür.“
Ich klopfte,... doch es tat sich nichts. Ich klopfte noch einmal, aber wieder nichts.
„Ach lass mich einmal!“, sagte Jack und schlug mit seiner dicken Pfote gegen die Tür, dass es dröhnte.
„Scheint niemand zu Hause zu sein“, meinte Jack besorgt.
„Ach herrje!“, stöhnte Seifenbläschen, der sich noch nicht wieder in einen Hamster verwandelt hatte. Ihm liefen dicke Drachentränen über seine Drachenbacken. „Da werde isch wohl nie meine liebe Pelagonie heiraten können, wie?“
Da hörten wir ein bedrohliches Pfeifen, das schnell näher kam. Wir zogen alle die Köpfe ein und sahen einander ängstlich an.
Die Prinzessin klapperte mit dem Schnabel und schlotterte vor Angst am ganzen Körper.
„Sssssssssssssssiiiiiiiiiiihhhhuuuuuummmmmm bumsschepper!“, machte es und wir fielen uns entsetzt um den Hals.
Der ganze Turm wackelte und sogar die Blätter in dem riesigen Baum raschelten, so gewaltig war die Erschütterung.
„Es ist alles wieder still!“, sagte Jack und wir sahen uns vorsichtig um.
Einen Hamsterbreit neben der Balkontür klaffte ein großes rundes Loch in der Mauer, aus dem es noch ein bisschen staubte.
„Ob man uns beschießt?“, fragte ich nachdenklich.
„Ja, hicks, mit alten Zauberinnen, hi, hi, hicks!“
„Aber das ist doch..., das ist doch Perlenfein!“, riefen Jack und ich voll Freude wie aus einem Munde.
„Knusper knusper knäußchen, wer knappert an meinem Häuschen, hi, hi, hick, hicks!“, hörte man es von drinnen singen.
„He Perlenfein, was ist los mit dir? Bist du krank? Ich bin es, Robert!“
„Und Jack, wir haben auch noch den Drachen und die Prinzessin mitgebracht.“
„Das ist aber schön, dass ihr mich wieder besuchen kommt und noch mit einem Drachen, das ist zum Lachen, hi, hi, hicks!“
Die Balkontür ging auf und Perlenfein stand mit wilden Haaren und schwankend in der Tür.
„Hallo Fans!“, rief sie und lachte dumm herum. Ich machte mir ernstlich Sorgen.
„Du bist doch nicht krank, Perlenfein, wie?“
„Nein, nein, kommt nur herein, hi, hi. Ich war nur gerade in Russland bei der Hexe Babajaga. Sie ist eine entfernte Verwandte von mir, sehr nett, sehr nett, hi, hi. Die hat mir  von ihrem Fliegenpilzlikör zu kosten gegeben, köstlich, köstlich. Jetzt habe ich einen kleinen Schwips. Ich hab wohl auch ein bisschen die Tür verfehlt, wie? Hi, hi! Na nun kommt schon herein, ich will euch ja nicht fressen, hi, hi, hicks!“
Wir sahen einander verwundert an,   gingen aber dann doch in den Zauberturm.
„Ich werde mir schnell einen hi, hi, einen Kräutertee zaubern, dann bin ich gleich wieder hicks, wieder nüchtern!“
Doch die arme Perlenfein war ganz schön beschwipst und zauberte einen Stiefel mit Elefantenohren und dann eine Trompete mit Ziegenbockfüßen, die durch das Zimmer sprang und furchtbare Musik machte.
„Das kommt mir doch so bekannt vor“, sagte Jack. „Jetzt zaubert Perlenfein genauso schlecht wie Seifenbläschen.“
Doch da stand plötzlich eine dampfende Tasse Kräutertee auf dem Tisch, den Perlenfein auch gleich trank. Und..., und sie war wieder die alte, liebe Zauberin. Sagen wir lieber die alten, lieben Zauberinnen, denn wir waren ja wieder im Zauberturm und so alle verfünffacht. Doch wir hatten uns schon so daran gewöhnt, dass sich nur die Prinzessin darüber wunderte.
„Es tut mir schrecklich leid, liebe Freunde, dass ihr mich so zugerichtet gesehen habt, wie peinlich!“ schämte sich Perlenfein.
„Aber nein!“, meinte Jack schnell. „Das kann doch dem besten Zauberer passieren.“
Wir gingen alle zusammen ins Aquarium und erzählten Perlenfein bei einer guten Tasse Tee und viel Schokoladentorte alles, was wir erlebt hatten. Am Ende des Berichtes bat Seifenbläschen Perlenfein, ihm zu helfen, sein richtiges Aussehen wieder zu bekommen.
„Aber gerne!“, rief Perlenfein und ehe wir es uns versehen hatten, saßen statt fünf Quitschedrachen fünf sehr gutaussehende Schnatterschnäbel neben uns.
Das war eine Freude! Seifenbläschen und die Prinzessin konnten sich nicht genug bei Perlenfein bedanken.
„Asch liebe Perlenfein, dasch isch endlisch wieder isch schelber bin!“, rief Seifenbläschen überglücklich und Pelagonie machte den Vorschlag: „Hättest du nicht Lust, mit zu uns zu kommen, um unsere Hochzeit zu feiern?“
„Au ja!“ riefen wir alle.
„Das ist eine ganz ausgezeichnete Idee“, sagte Perlenfein. „Da komme ich endlich einmal wieder unter Leute und bei einer Hochzeit war ich schon seit 123 Jahren nicht mehr.

Vierundzwanzigstes Kapitel

Schwuppdiwupp standen wir alle im, im, ja, im Thronsaal. Der König traute seinen Augen kaum, als wir plötzlich vor ihm auftauchten.
„Das ist aber viel bequemer, als stundenlang in der Gegend herum zu fliegen. So macht das Reisen erst richtig Spaß!“, rief Jack, der den Mund noch voller Schokoladentorte hatte.
Die Prinzessin fiel ihrem Vater um den Hals, dass er beinahe vom Thron gekippt wäre.
Das war eine Freude! Alle Schnatterschnäbel im Thronsaal jubelten und wechselten unentwegt die Farbe ihrer Felle.
Doch als die Prinzessin dem König ihren Bräutigam vorstellte, rief er zornig: „So ein dahergekommener Habenichts, will die Tochter des mächtigsten Königs weit und breit zur Frau nehmen?“
„Soll ich den König in eine Kröte verwandeln?“, flüsterte mir Perlenfein ins Ohr.
„Nein, nein, liebe Perlenfein, das ist nicht nötig. Ich werde die Sache jetzt zu einem guten Märchenende führen“, flüsterte ich zurück.
„Herr König!“, rief ich und machte mich so groß, wie ich nur konnte. „Ihr werdet doch, hoffe ich jetzt, euer Versprechen halten und mir das halbe Königreich und alle Schätze aus eueren Schatzkammern geben. Die Belohnung dafür, dass ich euere Tochter zurückgebracht habe!“
„Äh, äh!“, sagte der König und suchte nach einer Ausrede. Denn die Könige sind alle gleich, erst versprechen sie einem wer weiß was alles und wenn es dann soweit ist... Aber da stieß die Prinzessin den König unsanft in die Seite und sagte fest: „Selbstverständlich wird mein Vater sein königliches Ehrenwort halten, stimmt’s Pappa?“
Nun blieb dem König keine andere Wahl mehr, er musste Wort halten und sagte ganz leise und traurig: „Ja, ja!“
„Da ich nun ein ebenso reicher und mächtiger König bin wie du“, rief ich frech zum König hinauf. „Werde ich alles Seifenbläschen schenken. Dann ist er kein Habenichts mehr und du kannst ihm ruhig die Hand deiner Tochter geben!“
Au, war der König da sauer, weil ich ihn so ausgetrickst hatte.
Aber er konnte nun nichts mehr gegen die Hochzeit einwenden und wir freuten uns alle riesig.
Sogar Perlenfein und Jack lobten mich. „ Das hast du großartig gemacht , mein Junge!“, sagte Perlenfein. Und wenn eine so mächtige Zauberin das sagt, dann kann man sich schon etwas darauf einbilden.
Jetzt feierten wir zusammen und Jack war überglücklich, denn es gab ein Festessen nach dem anderen.
Was es da alles für tolle Sachen zu essen gab, aber die zähle ich euch lieber nicht auf, sonst platzt ihr vor Neid und ich bekomme dann den Ärger.
Seifenbläschen war so froh, dass er über die Festtafel tanzte, bis er in eine Schüssel Himbeerpudding fiel. Aber das störte ihn überhaupt nicht, so glücklich war er!
Doch nach unzähligen Festen, Bällen, Essen und ausgelassenen Tagen bekam ich Heimweh und vor allen Dingen machte ich mir um meine armen Eltern Sorgen.

Fünfundzwanzigstes Kapitel

Ich erzählte meinen Kummer Perlenfein.
„Ja, du hast recht, Robert. Du musst wieder nach Hause. Aber mach dir um die Heimreise keine Gedanken, immerhin hast du ja mich, eine Zauberin, als Freund. Es wäre doch gelacht, wenn ich dir da nicht helfen könnte! Geh dich nur von deinen Freunden verabschieden!“
Das war leichter gesagt als getan. Jeder am Hofe wollte mein Freund sein und ich musste so vielen Schnatterschnäbeln die Hände schütteln, dass mir am Ende der Arm weh tat.
Am traurigsten war natürlich der Abschied von der Prinzessin und von Seifenbläschen. Und am allertraurigsten von der guten Perlenfein. Sie hatte inzwischen mein Kinderbett herbeigezaubert.
„Du wirst dich jetzt wieder in einen Stoffhamster verwandeln.“, sagte sie streng zu Jack.
„Aber ich will doch gar nicht“, raunte Jack.
„Doch du musst!“, sagte Perlenfein noch strenger.
„Vor allen Leuten schäme ich mich, wenn der ganze Hof sieht, dass ich nur ein Stoffhamster bin!“
Das sah Perlenfein ein und bat alle, den Thronsaal zu verlassen. Im Nu standen nur noch wir drei vor meinem Bett. Wenn eine Zauberin etwas sagt, da folgt jeder sofort.
Jack war wieder ein kleiner Stoffhamster und ich nahm ihn in den Arm.
Noch einmal drückte ich Perlenfein ganz lieb und dann stieg ich in mein Bett. Sie sah auf einmal wieder sehr ernst aus und hatte den langen spitzen Glitzerhut auf und den komischen Mantel an.
Sie sagte viele Zaubersprüche auf, die ich euch leider nicht verraten darf, sonst würdet ihr damit lauter Dummheiten machen.
Aber schon wurde alles schwarz um mich und ich rief noch einmal ganz laut: „Auf Wiedersehen!“

Sechsundzwanzigstes Kapitel

Da ging die Tür in meinem Kinderzimmer auf und meine Mutter kam herein.
„Was hast du denn Robert? Hast du mich gerufen? Und was machst du jetzt schon in deinem Bett? Bist du müde? Es ist doch noch gar nicht so spät!“
„Na so was!“, sagte ich. „Wo ist denn Perlenfein? Es tut mir leid, dass ich so lange weg war, und dass ich einfach den Rasenmäher genommen habe. Aber weißt du, den brauchten wir als Flugbettmotor. Bist du mir sehr böse?“
„Ach so, Robert, du hast wieder einmal geträumt. Na dann komm mal mit rein, das Abendessen ist fertig!“
„Das gibt es doch nicht“, dachte ich. „Sollte ich alles nur geträumt haben? Ich war doch mindestens einen Monat lang weg und hier hat mich niemand vermisst? Aber nein, ich habe wohl wirklich nur alles geträumt, denn die Wand ist blütenweiß und es ist nichts von Jacks Abschiedsbrief zu sehen! Auch mein Bilderbücherregal steht ordentlich an der Wand, dabei hatte Jack es doch zu einem Propeller verarbeitet.
Ach ja, mein Bett! Nein, da war nichts mehr davon zu sehen, dass es eben noch ein Flugbett war. Sogar die gasgefüllten Bettdeckenbezüge waren verschwunden“, überlegte ich weiter.
„Hast du denn keinen Hunger? Iss doch etwas, Robert!“, bat mich meine Mutter.
„Nein, weißt du, ich habe schon soviel Schokoladenpudding bei der Hochzeit von der Prinzess... nein, nein, ich habe heute nicht so viel Hunger!“, sagte ich schnell. Warum ich keinen haben konnte, glaubt mir ja doch keiner und ich zweifelte auch schon selbst, dass ich eben noch auf einer Hochzeit war.
Ich wusch mich, putzte mir die Zähne und überlegte immer noch, ob ich wirklich nur alles geträumt haben sollte.
Ich ging in mein Kinderzimmer, in dem meine Mutter gerade dabei war, mein Bett frisch zu beziehen. Sie nahm einen Bettdeckenbezug aus dem Schrank.
„Nanu?“, sagte sie vor sich hin. „Hatte ich nicht Bettwäsche mit Blumenmuster gekauft? Doch, ich bin mir ganz sicher. Ich hatte Bettwäsche mit Blumenmuster und hier sind lauter Sterne darauf. Wie man sich irren kann!“
Also doch, dachte ich und freute mich. Denn es ist immer schöner, wenn man weiß, dass man etwas richtig erlebt hat. Da war der Beweis, die Bettbezüge von Perlenfein. Oh, sie ist wirklich eine großartige Zauberin. Sie hat von so weit weg mein Kinderzimmer wieder in Ordnung gezaubert. Ich ging glücklich ins Bett.
„Schlaf schön, Robert“, sagte meine Mutter. „Und träume wieder was schönes“, und sie gab mir einen Gutenachtkuss.
Sie ging hinaus, machte das Licht aus und ich war allein mit Jack.
„Und wenn ich doch alles geträumt habe?“, fragte ich und sah dabei Jack an.
„So ein Quatsch!“, hörte ich Jack plötzlich neben mir. „So etwas träumt man doch nicht, so was kann man nur erleben! Und nun schlaf schön, mein Kumpel. Ich bin hamstermüde, wir können ja morgen wieder was Tolles machen, ja?“
„Au ja Jack, schlaf schön!“

Ende des 1 Buches

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