Philosophie; Weisheiten und Erkenntnisse,
aus:
"Der Weg zum Glück und zu anderen schönen Plätzen!"
von Heiko Halfpaap

 

20. Über die Dynamik der Freiheit:

 

Fragt der Schüler den Meister:
"Meister, wenn ich meditiere, will ich meinen Geist frei machen und stelle mir vor, er flöge davon wie ein Vogel. Eng und klein erscheint mir meine Kammer, jedoch nach all dem Sinnen umsomehr. Wird mir doch erst bewußt, wie eingesperrt wir in unserem Alltag sind. Seht Meister, dort der Vogel, wie hoch er fliegt, jeden Ort kann er erreichen."
- Aufgeregt sprang der Schüler vor dem Meister auf und ab.
"Was glaubst du, was der Vogel denkt, wenn er höher und höher steigt und über sich die Sonne sieht, den Mond und die Sterne?" sprach der Meister.
"Es ist wahr, gefangen ist er auch in seiner Welt", überlegte der Schüler. "Einen Zaubervogel will ich mir erdenken und meinen Geist herumsausen lassen bis zu den Gestirnen, auch von dem Vogelsein muss ich mich lösen und frei werde ich mich fühlen."
"Ein Zaubervogel, der auf der Sonne sein Nest baut, der von einem Stern zum anderen fliegt, um zu erkunden, ob er frei genug ist, oder ob es ewig weitere Orte gibt, die er vielleicht doch nicht erreichen kann?"
- der Meister verzog schmerzlich das Gesicht.
"Ich will dir etwas von der Freiheit sagen: Mein großer Zeh, auf dem du die ganze Zeit stehst, ist nicht frei und da er es nicht ist, bin ich es auch nicht. Wenn du Trottel von meinem Fuß gehst, kann er sich frei bewegen, ist jedoch immer noch an mir verwachsen und genau genommen auch nicht frei, denn da, wo ich hingehe, muss er mir folgen.
Doch schneide ich ihn mir ab, um ihn frei zu machen, wäre ihm nicht viel geholfen.
Für den Zeh ist es nicht wichtig, wohin ich gehe, ihn kümmert nur die Schuhgröße und das Gewicht meiner Schüler. Die Freiheit ist eine sich ständig verändernde Größe, doch die kleinsten Dinge sind darin die wichtigsten. Kannst du rennen, hüpfen und dich nackt herumwälzen, wenn du es willst? Kannst du schreien, tanzen und schweigend auf dem Schrank hocken? Ist es dir möglich, nachzusinnen oder fleißig zu sein? Und darfst du deinem Zeh..."
der Meister bewegte flink sein Bein..."die Freiheit der Bewegung gönnen, nach der es ihm gelüstet"...und trat den Schüler in den Hintern.

 

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