Nur Buschkowsky ist Buschkowsky, alle Rechte vorbehalten!

Wilhelm Buschkowsky

 Vom Klecks!

So mancher Maler wird berühmt
durch frühen Tod ganz unverblümt.

 Der Poppel jedoch noch hat Zeit,
das Geld ist knapp, der Tod noch weit.

 Mit frohem Mut steht er im Latz
vor einer Leinwand mit viel Platz.

So rein und weiß, so unschuldsvoll,
gleich schmiert er sie mit Farbe voll.

 Aus einer Dose mit der Schrift:
“Siehe vor dich, hier herin ist Gift!“
fährt er hinein mit seinem Pinsel.

 Die Kunst sich erst zu malen lohnt,
ein Aktmodell vorm Poppel thront.

Die Zeit verstreicht, wo bleibt die Heide?
Will er doch malen ihre....

 Die Augen und die Brüste auch
und ihren schönen flachen Bauch.

 Derweil ein schwarzer Tropfen aus der Dose
kleckst ihm herab auf seine Hose.

Doch welche Hose? Unterm Kittel
da findet man nur seinen Schnittel.

 Der Tropfen darauf fällt
und hat das beste Stück entstellt.

 Es ist die Farbe von der Sorte, die man
verwahrt am sichern Orte.

 Die Heide auf der Stiege rappelt
der Poppel unterm Kittel zappelt

 um zu entfernen, was verschmutzt,
wird ordentlich herumgeputzt.

 Da klopft’ s schon an des Meisters Pforte
der Poppel findet endlich Worte.

 So komm herein du schönes Kind,
das Meisterwerk mal ich geschwind.

 Der Meister ruft: „Perdü, nimm Platz!“
Und streift herunter seinen Latz.

 Dem Poppel unter seinem Frack die
Lanze brennt und auch der ...

 Wie unschuldsvoll die junge Heide,
da sitzt sie da, die Augenweide.

 Der Poppel sieht nicht auf die Augen,
woanders würd’ er gerne saugen.

 Im Geiste will er sie schon pfählen,
vom Gähnen hat die Heide Tränen

 in dem Blick, der schläfrig ist.
Warum sie da, schon halb vergisst.

 „Nun Meister, welche Pose
macht ihr denn heut’ zu meinem Lose?

 Vor dieser Kunst da muss man weichen,
so manche Art gibt es zu streichen.

 Mal mit der Bürste, mal die Rolle,
den Pinsel schleudert Poppel tolle.

 Die neue Pose stört gemein,
der Stoff verdeckt zu sehr das Bein,

 die Brust und auch besagte Falte,
in der versteckt ist jene Spalte.

 Doch nicht vergessen, mittlerweil’,
der Klecks, der fiel auf Poppel’s Seil.

 In seinem jungen schwarzen Leben
wollt er nicht an ner’ Flöte kleben.

Doch was das Schicksal ihm besonnen,
der kleine Klecks schon halb zerronnen,

kann ändern nicht den Weltenlauf!
Der Poppel stürzt sich auf die Heide drauf.

Und mit dem Irrsinn jener Gier
stößt er hinein in ihr,

die selten gut und meistens böse,
fährt er herum in Heides ...,

die plötzlich wach und quiekt und stöhnt,
wird sie so unverhofft verwöhnt.

“Wo bin ich hier, herrje zerinn ich?“
dem Klecks wird’s heiß und gar so sinnlich.

 Der Klecks zerfließt im süßen Saft,
den Poppel in der Heide schafft.

Und in einem wunderbaren Bach
der Klecks geschwemmt wird weh und ach

zum Kern des Lebens, zum Schöpfertor.
Was hier eindringt, schlüpft bald hervor

als Poppels Bengel, Heides Sohn.
Wüßt’ Poppel jetzt schon, welcher Lohn

 die Mühe bringt, die er erringt
mit Heide, die vor Freude singt,

 den lieblichsten von den Gesängen,
befreit und jauchzt von allen Zwängen

 und immer mehr will von der Kraft,
die Pöppel hat verspritzt an Saft.

 Das Werk beendet wischt der Meister
vom Pinsel sich den alten Kleister.

 Die Heide nimmt verschämt ein Tuch,
der Poppel, der ist kein Eunuch.

So trennt man sich mit einem Kuss,
der Meister denkt, was für ein Guss.

 Doch weh und ach was man nicht weiß,
9 Monate, dann kommt der Sch..,

den man hier wonnevoll vollzogen
hervorgepresst in blut’ gen Wogen

 und wird den Meister manches kosten,
und zahlen muss er diesen Posten

 allein von seinem Taschengeld,
das Poppels Frau ihm zur Verfügung stellt.

Doch erst wenn’s so weit ist, wird berichtet,
was vorerst ist noch nicht gedichtet.

 

Ende des Ersten Zyklus

Zweiter Zyklus: „Die Kindheit eines Kleckses!“

 

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